Wir sind mitten im Klimawandel. Welche konkreten Folgen das für uns haben kann, zeigt das Helmholtz-Zentrum Hereon in einem neuen Projekt: Per Klick auf eine Landkarte fasst es zusammen, wie sich der Klimawandel in Zukunft für jeden Wohnort auswirken kann.

Der Westen der USA kämpft gerade mit Temperaturen um die 50 Grad und gegen Waldbrände. In Deutschland warnt der Deutsche Wetterdienst vor unwetterartigen Gewittern und Starkregen, der in Teilen des Landes zu Überflutungen führen könnten. Forschende führen diese Extremwetter-Situationen auf den Klimawandel zurück.

Wie sich das Klima in den nächsten achtzig Jahren bis zum Ende des Jahrhunderts möglicherweise entwickeln wird, bildet jetzt das Forschungsprojekt "Klimaausblicke" des Helmholtz-Zentrums Hereon ab.

Der Klimawandel vor der Haustür

Für jeden Landkreis in Deutschland berechnet das Projekt einen spezifischen Klimabericht. Mithilfe von 17 Werten, wie Temperatur, Niederschlag oder Dauer von Hitzeperioden, stellt es die Klimaveränderungen für jeweils drei Szenarien dar:

  1. Klimaschutzmaßnahmen sind sehr ambitioniert und führen am Ende des 21. Jahrhunderts zu negativen CO2-Emissionen.
  2. Treibhausgasemissionen steigen bis Mitte des Jahrhunderts an und sinken dann wieder.
  3. CO2-Emissionen steigen kontinuierlich an, bis sie einen konstant hohen Wert erreichen.

Unser Reporter Maximilian hat sich ein konkretes Beispiel angeschaut, nämlich die Berechnungen für die Stadt Köln. Ein Ergebnis der Berechnungen ist: Egal wie gut sich der Klimaschutz in den kommenden Jahren entwickelt – tropische Nächte werden in Zukunft voraussichtlich zunehmen. Auch die Durchschnittstemperatur nimmt – laut Klimabericht – bis zum Ende des 21. Jahrhunderts zu. Bei guten Klimaschutzmaßnahmen allerdings weniger stark. Mit wirksamen Maßnahmen könnte die Durchschnittstemperatur in den Jahren 2069 bis 2098 um 1,1 Grad ansteigen. Bei weniger wirksamen Maßnahmen ist ein Temperaturanstieg von 3,3 Grad möglich.

85 Klimamodelle in einem

Unser Reporter verweist darauf, dass es sich eben nur um Klimamodelle handelt, nicht um Voraussagen. Das sei ein wichtiger Unterschied. "Niemand kann die Zukunft voraussagen", sagt auch Diane Rechid, die am Forschungsprojekt "Klimaausblicke" mitgearbeitet hat. Für diese Projektion in die Zukunft arbeitet das Forschungsprojekt mit 85 verschiedenen Klimamodellen. Zwei Drittel der Prognosen müssen übereinstimmen, damit die Forschenden ein Ergebnis als wahrscheinlich akzeptieren. Vor allem müssen sie zufällige Temperaturschwankungen als Ursache für den Temperaturanstieg ausschließen können.

"Wir sehen in allen Szenarien eine Temperaturzunahme. Vor allem dort, wo die Temperatur heute schon sehr hoch ist, werden besonders hohe Temperaturen häufiger überschritten."
Diana Rechid, Forschungsprojekt "Klimaausblicke"

Die Klimaausblicke machen deutlich, dass die Temperatur nicht nur in Köln in den nächsten Jahren ansteigen wird – unabhängig von welchem Klimaschutzszenario. "Es bleibt in allen Szenarien in keinem Landkreis so wie es jetzt ist", sagt Diana Rechid. Wobei die Effekte mit wirksamen Klimaschutzmaßnahmen vermutlich deutlich geringer sind.

Orte an Klimawandel anpassen

Das Forschungsprojekt soll Städten dienen, neu zu denken. Wasserstellen könnten beispielsweise durch Verdunstung bei hohen Temperaturen für eine kühlere Luft sorgen, erklärt sie. Danach könnte die Städteplanung Orte in Zukunft an die Auswirkungen des Klimawandels anpassen.

"Man muss gute, clevere Konzepte entwickeln und die Städte neu gestalten, damit sie mit den zukünftigen Bedingungen das Wohlbefinden der Menschen ermöglichen."
Diana Rechid, Forschungsprojekt "Klimaausblicke"

Gleichzeitig soll das Forschungsprojekt Klimadaten verständlich für alle erklären und ihnen anzeigen, wie sich ihr Wohnort durch den Klimawandel verändern könnte