Während sich in Marokko die einen fragen, warum der Regen ausbleibt, und Klimawandel für eine Strafe Gottes halten, lassen sich andere zu Photovoltaik-Facharbeitern oder Energieefizienz-Spezialisten ausbilden.

In Marokko sind die Folgen des Klimawandels längst zu spüren. Manche Landstriche sind inzwischen völlig unbewohnbar. Doch gerade die Menschen, die am meisten betroffen sind, wissen besonders wenig über die Ursachen des Klimawandels.

Workshops sollen Kenntnisse vermitteln

Das sehr eingeschränkte Know-how bestätigt auch Fadoua Brour. Die Marokkanerin ist 25, hat Jura studiert und ist Präsidentin des “Arab Youth Climate Movement”, einer arabischen Jugendbewegung, die gegen den Klimawandel kämpft. Fadoua will ihre Landsleute über den Klimawandel aufklären.

"Wir haben manche Leute getroffen, die dachten, dass Klimawandel ein Loch in der Atmosphäre sei, durch das Außerirdische auf den Planeten steigen, und dann wiederum ihren Weg zur Galaxie bahnen."
Fadoua Brour

Fadoua und ihre Kollegen reisen quer durch das Land und bieten kostenlose Workshops an. Sie versuchen den Teilnehmern zu erklären, welche Konsequenzen der Klimawandel hat, und was jeder Einzelne dazu beitragen kann, um die Folgen abzuschwächen.

"Das Wichtigste ist Bildung. Jeder einzelne Marokkaner soll wissen, dass der Planet in unserer Hand liegt."
Fadoua Brour, Präsidentin der “Arab Youth Climate Movement”

Ausbildungszentrum für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz

Im Osten des Landes, in Oujda an der algerischen Grenze, hat vor einem Jahr das IFMEREE eröffnet, ein Ausbildungszentrum für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz. Auf 80 Ausbildungsplätze haben sich in diesem Jahr 20.000 Marokkaner beworben. Anhar ist 20 und eine der Auszubildenden.

"Erneuerbare Energie ist sehr wichtig für die Menschen, denn die erneuerbaren Energien können den Klimawandel reduzieren."
Anhar ist 20 und macht eine Ausbildung am IFMEREE.

Marokko ist wenig industrialisiert. Der Beitrag des Landes zum globalen Ausstoß von Treibhausgasen liegt bei unter 0,2 Prozent. Doch der Energiebedarf steigt rasant. Das Ziel der Regierung ist, den steigenden Energiebedarf bis 2030 zu über 50 Prozent mit Erneuerbaren Energien aus dem eigenen Land zu decken.

Neue Energien - neue Jobs

Genau hier sieht auch Joachim Fünfgelt, Referent für Klima- und Energiepolitik bei "Brot für die Welt", eine große Chance für das Land. Doch wer in der Branche arbeiten will, muss auch dafür ausgebildet werden. Das fängt an bei kleineren Ingenieurstätigkeiten und geht bis zur Entwicklung und Verbesserung der Technologien.

Bildung und Jobs. Das sind die Themen, mit denen gerade junge Menschen am besten zu erreichen sind. Davon ist auch Fadoua überzeugt. Denn wenn verstanden wird, dass sich der Klimawandel auch auf den Arbeitsmarkt auswirkt, dann ist die Aufmerksamkeit gesichert.