Als Randmeer ist die Ostsee stark von den Folgen des Klimawandels betroffen. An einigen Stellen hat das Wasser für Tiere und Pflanzen nicht ausreichend Sauerstoff, Bakterien sammeln sich. Dennoch kann man sich unbeschwert im Wasser abkühlen.

1,5 Grad seit dem Jahr 1980 – so stark hat sich die Ostsee erwärmt. Im Vergleich zu anderen Meeren ist das etwa dreimal so viel, sagt Thorsten Reusch. Er ist Mitarbeiter des Helmholtz-Instituts für Ozeanforschung in Kiel. Für Reusch ist das eine besorgniserregend schnelle Erwärmung.

In gewisser Hinsicht sei diese Entwicklung zu erwarten gewesen, weil die Ostsee ein Randmeer mit einem geringen Wasservolumen ist. Daher wirkt sich die Erhitzung der Atmosphäre stärker aus.

"Die tiefen Becken der Ostsee sind ohnehin schon immer in einer prekären Situation gewesen", sagt Thorsten Reusch. "Die werden schlecht durchmischt von sauerstoffhaltigem Wasser aus der Nordsee." Auf diesen Einstrom aus dem Schwestermeer sei die Ostsee laut dem Mitarbeiter des Helmholtz-Instituts für Ozeanforschung aber angewiesen.

Klimawandel wirkt sich auch auf den Fischbestand aus

So ist beispielsweise der Bestand des Dorschs in der Ostsee durch die Folgen des Klimawandels und Überfischung zusammengebrochen. Das hat die Universität Hamburg bereits 2021 nachgewiesen.

Demnach sei es aufgrund von hohen Fangquoten und bisher nicht beachteten Umweltfaktoren unwahrscheinlich, dass sich der Dorsch-Bestand an der deutschen Ostseeküste in näherer Zukunft erholen wird.

Chronischer Sauerstoffmangel im Wasser

Bislang treten Kippsituationen, also chronischer Sauerstoffmangel im Wasser, vermehrt im Spätsommer und im Flachwasser auf, erklärt Thorsten Reusch. Bei Untersuchungen in der Eckernförder Bucht hat Reusch herausgefunden, dass es aber in zehn Metern Tiefe in einigen Jahren schon chronischen Sauerstoffmangel geben wird.

"In der Eckernförder Bucht sehen wir, dass es in zehn Metern Tiefe schon in einigen Jahren chronisch Sauerstoffmangel geben wird."
Thorsten Reusch, Mitarbeiter des Helmholtz-Instituts für Ozeanforschung in Kiel

Das Gesamtsystem Ostsee sei aber noch einigermaßen intakt, so Thorsten Reusch. Mit der noch vorhandenen Resilienz des Meeres müsse man nun behutsam umgehen.

Bakterien, die warmes Wasser und offene Wunden lieben

Durch die Erwärmung des Wassers sind zunehmend Vibrio Bakterien in der Ostsee zu finden. Denn sie lieben warmes Wasser und offene Wunden. Beim Menschen können sie für schwere Magendarminfektionen und Weichteilinfektionen verantwortlich sein.

Deshalb rät Thorsten Reusch schon jetzt jedem, der ein frisch gestochenes Tattoo oder ein eingeschränktes Immunsystem hat, ab 20 Grad Wassertemperatur nicht in die Ostsee zu gehen. Ansonsten könne man das Baden in der Ostsee aber unbeschwert genießen.

Algen profitieren vom entstehenden Sauerstoffmangel, der auf die Erwärmung zurückzuführen ist. Das Absterben von Seegräsern und Makroalgen ist eine Folge davon. Durch eine Dünger-Reduzierung könne sich die Sauerstoffsituation der Ostsee mittelfristig verbessern, erklärt Thorsten Reusch.

Auch naturbasierte Lösungen wie Muschelbänke, Algenwälder und Seegraswiesen seien wichtig für die Regeneration der Ostsee, sagt Thorsten Reusch. Sie helfen, die Bakterienfracht des Wassers zu verringern.