Wird es Zikaden zu warm, hören sie auf zu zirpen und wandern möglicherweise ab. Das kann Folgen für die Flora und Fauna einer Region haben - so wie aktuell in der Provece befürchtet.

Zikaden können anscheinend stundenlang zirpen, ohne müde zu werden. Viele von uns mögen das typische Geräusch, das die Insekten mit ihrem sogenannten Trommelorgan erzeugen. Damit versuchen die Männchen entweder Weibchen anzulocken oder auf Reviergrenzen hinzuweisen.

Dabei können sie richtig laut werden: Die Zikaden in der Provence erreichen eine Lautstärke von zum Teil über 100 Dezibel, sagt die Zoologin Jasmin Schreiber im Interview.

"Wenn es über 36 Grad warm ist oder unter 22 Grad, dann ist halt Ruhe im Karton."
Jasmin Schreiber, Zoologin

Die Zikaden brauchen eine bestimmte Temperatur, um ihrer Arbeit, dem Zirpen, nachgehen zu können. Ist es wärmer als 36 Grad oder kühler als 22 Grad, dann zirpen sie einfach nicht mehr.

Das Zirpen erzeugt die Zikade mit einer Membran. Wenn das Wetter zu kühl ist, dann wird die Membran steif und die Zikade verstummt.

Wenn es allerdings zu warm ist, dann überhitzt das ganze Insekt, weil es nicht wie wir seine Temperatur ausgleichen kann, erklärt die Zoologin. Bei großer Hitze bewegen sich die Insekten nur noch so wenig wie möglich und versuchen einfach nur zu überleben.

Zikaden könnten aus der Provence abwandern

Forschende haben beobachtet, dass die Zikaden bei der jüngst großen Hitze ihr Zirpen eingestellt haben, und sie befürchten nun auch, dass die Insekten an einen etwas kühleren Ort abwandern könnten, falls es in der Provence dauerhaft so warm bleibt.

Das könnte weitreichende Folgen für die Pflanzen- und Tierwelt dort haben. Denn zum einen üben die Zikaden "gestalterisch" Einfluss auf die Flora aus, indem sie den Saft von einheimischen Pflanzen aus diesen heraussaugen.

Das führt dazu, das manche Pflanzen im Wachstum gestört werden, andere, die nicht von den Zikaden angesaugt werden, dadurch mehr Platz finden, um zu gedeihen und sich auszubreiten.

"Solche Veränderungen sind für Tiere, die Generalisten sind, also verschiedene Nahrungsoptionen haben und sich umorientieren können, okay. Aber es gibt ja auch Tiere, die spezialisiert sind."
Jasmin Schreiber, Zoologin

Zum andere dienen die Zikaden aber auch als Futterquelle, zum Beispiel den Singvögeln. Sollten die Insekten abwandern, könnte es sein, dass die Singvögel nicht mehr genug Nahrung finden und gleichsam weiterziehen.

Einfluss auf die Nahrungskette

Wandern allerdings die Singvögel ab, kann das wiederum einen Einfluss auf die Greifvögel haben, die sich unter anderem von Singvögeln ernähren.

Tiere, die Generalisten sind - das heißt, die zum Beispiel
unterschiedliche Nahrungsquellen haben - können sich an solche
Veränderungen besser anpassen, als Tiere, die in der Hinsicht
spezialisiert sind, erklärt Jasmin Schreiber.

Insgesamt könnte sich also die Vegetation als auch die Tierwelt der Provence stark verändern, wenn die Zikaden abwandern sollten.

"Es kann schon sein, dass da ziemlich viel in Bewegung kommt und auch durcheinander kommt."
Jasmin Schreiber, Zoologin

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