Klugscheißer, Besserwisser, Tippgeber. Typen, die sich so aufführen, hören sich gerne reden, obwohl sie keine Ahnung von der Sache haben, über die sie gerade sprechen. Darum auch Mansplaining. Es gibt aber auch weibliche Mansplainer. Wir fragen uns: Wie setzen wir diesem endlosen Gequatsche endlich ein Ende?

Eigentlich bedeutet Mansplaining, dass ein Mann einer Frau etwas auf herablassende Art erklärt. Bei der Umfrage unserer Autorin Suzan Bazarkaya stellte sich heraus: Auch Männer haben schon negative Erfahrungen mit Mansplaining gemacht. Der Begriff ist umstritten und im Netz hat sich inzwischen - als Reaktion darauf - der Begriff Womansplaining etabliert: Es geht also auch um Frauen, die die Welt erklären.

Männer und Frauen folgen dabei unterschiedlichen Mustern:

  • Männer wollen vermitteln: Ich bin der Checker
  • Frauen wollen vermitteln: Ich bin wichtig für dich

Egal ob Mann oder Frau, hilfreiche Strategien müssen her, um uns gegen Mans- oder Womansplainer zu wehren.

Das hilft: Taktik aufdecken, Humor und Gelassenheit

Die Psychologin Miriam Kegel empfiehlt zuerst, die Taktik des Gegners aufzudecken. Es sei eine gute Strategie immer das zu spiegeln, was wir selber gerade erleben. Beispiel: Wir werden unterbrochen. Also sagen wir unserem Gegenüber: "Entschuldigung, du hast mich gerade unterbrochen." Wenn wir merken, dass jemand versucht uns unerwünscht Tipps zu geben, könnten wir sagen: "Danke für die Tipps, mir wäre es aber gerade wichtiger gewesen, dass du mir aufmerksam zuhörst".

  • Mit Humor nimmt es Student Said. Er lässt die Leute machen und lacht innerlich. So kann Said die Gesprächssituationen durchstehen.
  • Studentin Tine empfiehlt Gelassenheit, keine Aufregung über den, der sie volltextet. Sie hört sich die Sachen lächelnd an und bleibt vor allem eins: cool.

Bei ihrer Umfrage erkennt DRadio-Wissen-Autorin Suzan allerdings eine Tendenz, welches Geschlecht eher dem Mansplaining zugeneigt ist.

"Männer, ich glaub schon, dass es eher Männer sind. Das gehört so in diese Kategorie sozialer Status - Platzhirschgehabe. Ich bin der Typ, der erklärt, wie die Welt funktioniert. Ich hab die Kontrolle. Ich bin der, der sagt, wo es lang geht."
Jannick, Student

Die männliche Motivation: "Ich bin der Checker"

Die Diplompsychologin Miriam Kegel hat sich mit männlichem Dominanzverhalten beschäftigt und bestätigt die These von Student Jannick. Es gehe eindeutig um "Platzhirschgehabe". Im Job ist das fast schon eine Kommunikationstechnik, die das Ziel verfolgt, dem Gegenüber sein Wissen nicht zuzugestehen. Das wichtigste Werkzeug dabei: Andere unterbrechen. Damit sichert der Klugscheißer sich seinen beruflichen Rang.

Die weibliche Motivation: "Ich möchte für Dich wichtig sein"

Das feminine Klugscheißerwesen ist häufig von Konkurrenz geprägt. Frauen möchten wichtig für ihr Gegenüber sein. Sie erklären viele Dinge und machen sich damit zum unverzichtbaren Informanten für ihren Gesprächspartner. Die Psychologin Miriam Kegel glaubt, dass das evolutionär bedingt ist: Während Männer immer eine Rangordnung herstellen mussten, waren Frauen auf die Unterstützung der Gruppe angewiesen.

"Holt man evolutionär aus, ist es bei Männern schon immer so gewesen, dass sie eine Rangordnung herstellen konnten. Während Frauen immer darauf angewiesen waren, Unterstützung durch die gleiche Gruppe zu haben."

Das Thema von uns wieder aufgegriffen - Dank eurer Facebook-Kommentare

Ein Gespräch, das wir zu diesem Phänomen im Programm hatten, wurde von euch auf Facebook heftig diskutiert. Viele von euch kritisieren den Begriff, weil sie finden, dass es sich hierbei um Gendershaming handelt: Männer werden durch diesen Begriff schon aufgrund ihres Geschlechts vorverurteilt. In euren Kommentaren habt ihr außerdem gesagt, dass es auch Frauen gibt, die versuchen, anderen die Welt zu erklären. Im Netz findet man dazu auch das Schlagwort “woman-splaining”. Aber dieses Wort ist im Netz tatsächlich seltener zu finden.