Rewe will diesen Sommer noch die Plastiktüten aus seinen Läden verbannen. Irgendwann sollen auch die Obst- und Gemüsetüten aus Kunststoff aus dem Laden verschwinden. Die Alternativen sind aus Karton, Papier und Stoff. Deren Ökobilanz ist aber nicht so eindeutig.

In knapp zehn Jahren soll jeder Bürger im Schnitt nur noch 40 Tüten pro Jahr verbrauchen. Im Moment sind es in Deutschland 71. Unser Kollege Paul Vorreiter hat sich die Ökobilanzen der unterschiedlichen Tüten angesehen. Da spielen mehrere Faktoren mit rein: "Wie wurde der Stoff hergestellt, wie viel Energie und Wasser wurden bei der Produktion verbraucht, wie viel Energie geht für die Logistik drauf, wie lang sind die Transportwege und wie der Stoff genutzt wird."

"Plastik hat eine sehr lange Abbauzeit. Das ist das Super-Contra-Argument Nr. 1. Wenn Plastik dann noch ins Meer kommt, verwechseln das Tiere oft mit Nahrung und verenden daran. Das ist übel."
DRadio-Wissen-Autor Paul Vorreiter

Die Ökobilanz lässt unterschiedliche Schlüsse zu: Eine Plastiktüte, die nur einmal verwendet wird, verbraucht zur Herstellung weniger Rohstoffe und Energie als Papiertüten und Baumwollbeutel. Wenn wir aber sehen, wie Plastik unsere Umwelt verseucht, ist das Ergebnis ein anderes. Baumwolle und Papier verbrauchen mehr Ressourcen als Plastik, sind aber leichter abbaubar.

"Du kommst bei jedem Stoff zu unterschiedlichen Ergebnissen - je nachdem, wie du ihn nutzt und in welchem Kreislaufsystem du ihn betrachtest."
DRadio-Wissen-Autor Paul Vorreiter

Das Studierendenprojekt "Umtüten" kommt aus Kiel und wirbt dafür, einmalig eine Verpackung zu kaufen, in die der Bäcker dann immer wieder Brötchen packt. "Der Kunde kann wählen, eine Biobaumwolltüte, in die ganz normale trockene Brotprodukte reinkommen. Und eine besondere Tüte für To-Go-Produkte", sagt Christina Lehmann, sie ist Mitinitiatorin des Projekts.

Wir brauchen also ein echtes Mehrwegsystem. Werden sie einmal verwendet, sind Papier- oder Plastiktüten beim Ressourcen- und Energieaufwand der Baumwolltüte deutlich voraus. Wer die Plastiktüte mehrfach verwendet, hat wieder eine ganz andere Ökobilanz.

"Wahrscheinlich muss das Produkt aus Baumwolle an die 70 Mal im Kreislauf laufen, damit es eine klassische Papier - oder eine Plastiktüte in der Ökobilanz schlägt."
Rolf Buschmann, Ressourcen- und Abfallexperte beim Bund Umwelt und Naturschutz