Im Homeoffice zwischendurch mal etwas Frisches kochen, was nicht zu aufwendig ist - unser Reporter Nico Rau sucht Inspiration und hat ein paar Kochboxen getestet.

Die einen nutzen das Kochen, um ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. Sie kramen Kochbücher heraus, recherchieren online und haben unzählige Gewürze vorrätig. Sie lieben die unbegrenzten Möglichkeiten, freuen sich, wenn ein Kochexperiment gelingt und wenn sie anderen mit ihren Kochkünsten eine Freude machen können.

Schon wieder kochen - aber was?

Für andere ist es eher Mittel zum Zweck. Ab und zu etwas zu kochen, das ist schon ok. Aber jetzt, wo viele Cafés und Restaurants geschlossen haben, geht ihnen so langsam die Inspiration aus, weil sie alle Rezepte, die sie kennen, schon x-mal zubereitet haben.

Genau da setzen Kochboxen an, die mit folgendem Versprechen werben: Lebensmittel, die grammgenau und mit einem Kochrezept versehen in einem Paket an die Haustüre geliefert werden.

"Also der schwarze Bohnen-Patty ist geil." - "Ist gut, ne! Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass man das noch mal machen kann."
Reporter Nico Rau und seine Freundin Hannah im Gespräch

Drei verschiedene Anbieter im Test

Unser Reporter Nico Rau hat ein paar Kochboxen getestet. Dazu hat er Pakete von drei verschiedenen Anbietern bestellt: Hello Fresh, Tischline und Marley Spoon. Mithilfe der mitgelieferten Rezepte hat er die Lebensmittel dann zubereitet.

Den Burger-Patty aus Bohnen mit Karotten-Fritten als Beilage hätte unser Reporter normalerweise nicht in einer Kochbox bestellt, weil er davon ausgegangen ist, dass professionelle Burgerläden vegetarische Burger sicherlich besser hinbekommen.

Doch das leckere Resultat hat ihn seine Meinung ändern lassen. Den vegetarischen Burger-Patty würde er wieder bestellen, wenn er noch mal eine Kochbox ordern sollte.

Das Prinzip Kochbox

Die Paketlieferungen funktionieren nach einem Abomodell: Der Abonnent wählt aus, wie viele Mahlzeiten pro Woche er oder sie geliefert bekommen möchte und für wie viele Personen die Zutaten ausreichen sollen.

Dann suchen sich die Abonnenten die Rezepte aus, die sie am meisten ansprechen. Eine andere Option: Der Besteller oder die Bestellerin kann sich überraschen lassen, welche Zutaten und Rezepte geliefert werden.

Außerdem muss man noch festlegen, an welchem Tag geliefert werden soll. Per Spedition wird dann ein großer Karton zur Haustür gebracht, in dem zum Beispiel exakt abgewogene Gemüse, Pasta, Reis, Fleisch, Joghurt und vieles mehr enthalten ist.

"Der Mehrwert von diesen Gerichten ist, dass du auf neue Rezeptideen kommst und gar nicht so sehr, dass du das nach Hause geliefert bekommst."
Hannah, die Freundin unseres Reporters Nico hält die Inspiration, den die Kochbox mitliefert, für ihren größten Mehrwert

Schmeckt's?

Unser Reporter hat jeweils zwei Rezepte von drei verschiedenen Anbietern ausprobiert. Sein Fazit:

  • Hello Fresh: Beide Rezepte fand Nico gelungen. Eines davon war ein leckeres asiatisches Gericht mit Glasnudeln, Gemüse und Rinderhackfleisch
  • Marley Spoon: Reporter Nico hatte unter anderem ein "knusprig-zartes Hähnchen mit Mandeln auf cremiger Pasta mit Brokkoli" ausgesucht. Dieses Gericht hat ihn nicht überzeugt, weil das Hühnchenfleisch zu sehnig und fettig gewesen sei. Insgesamt habe das Gericht wenig Geschmack gehabt. Das Essen erinnerte unseren Reporter an "sehr mäßiges Kantinen-Essen".
  • Tischlein: insgesamt gut.

Positives - Qualität insgesamt gut, Zutaten frisch

Mit der Lieferung ist bei unserem Reporter alles glatt gelaufen. Die Zutaten kamen pünktlich an und bei allen Anbietern war die Qualität der gelieferten Zutaten gut und frisch. Nur einen Ausreißer gab es beim Fleisch des Anbieters Marley Spoon, sagt Nico.

Die Preise bewegen sich zwischen sechs und sieben Euro pro Portion. Je mehr man bestellt, desto günstiger wird es insgesamt.

Das Abonnement lasse sich problemlos - mit wenigen Klicks - pausieren oder direkt wieder abbestellen.

Kritik: Kochdauer, Nachhaltigkeit und Verpackungsmüll

Negativ ist unserem Reporter Nico Rau aufgefallen, dass bei keinem der Rezepte die angegebene Kochdauer gestimmt habe. Ungünstig, wenn man im Homeoffice in der Mittagspause schnell was Leckeres kochen möchte.

Ein weiterer Kritikpunkt: Für einige Rezepte braucht man spezielle Küchengeräte wie zum Beispiel einen Pürierstab. Und den hat wahrscheinlich nicht jeder Kochbox-Kunde im Haus.

Weniger Verschwendung, aber kaum Bio-Lebensmittel

Zum Thema Nachhaltigkeit: Einige Anbieter werben damit, dass weniger Lebensmittel verschwendet würden, weil sie grammgenau liefern. Unser Reporter Nico hat allerdings festgestellt, dass kaum Bio-Produkte in den Boxen enthalten waren.

"Gemüse und Fleisch sind übrigens nicht bio. Nur einmal waren Bionudeln dabei."
Nico Rau, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Viel zu viel Verpackungsmüll

Durch die Kochboxen fällt erheblich mehr Verpackungsmaterial an, als wenn er selbst einkaufe, stellt unser Reporter Nico fest. Der Karton besteht zwar zu einem Teil aus Altpapier. Aber trotzdem müssen, selbst für einen Karton aus Altpapier, viele neue Ressourcen wie Holz, Energie und Wasser verbraucht werden, bilanziert Nico.

Hinzu kommt auch noch, dass manche Zutaten einzeln in Plastik verpackt sind. Und auch die Kühl-Akkus, die den Kisten beiliegen, bestehen aus Plastik.

Nachhaltigkeit

Hello Fresh verhalte sich am nachhaltigsten: Die Summe der CO2-Emissionen, die durch das Unternehmen anfallen, werde kompensiert, der Lebensmittel-Lieferservice investiere in Klimaschutzprojekte.

Letztendlich hat sich unser Reporter gegen ein Kochbox-Abo entschieden: Nico kauft viel zu gerne selbst ein, weil er sich vom Zustand, Aussehen und Geruch der gekauften Lebensmittel überzeugen möchte, bevor er sie in seinen Einkaufswagen packt.