Alle Zutaten, in der richtigen Menge, direkt nach Hause: Das Konzept von Kochboxen klingt praktisch. Viel Werbung wird dafür gemacht. Unsere Reporterin hat deshalb mal eine Kochbox getestet. Ihr Ergebnis: nicht überzeugend.

Egal ob Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Anastasija Roon sich durch Instagram scrollt, ein Youtube-Video sieht oder ihre Post holen geht: Überall bekommt sie Werbung für die Kochboxen von Hellofresh, einem deutschen Unternehmen. Die Werbekampagne läuft auf Hochtouren, vergangenes Jahr hat das Unternehmen dafür einen Marketing-Preis gewonnen. Grund genug für unsere Reporterin den Selbstversuch zu wagen und sich ein Urteil zu bilden.

"Heute kommt auf den Teller: Cheesy Enchilada-Reis mit schwarzen Bohnen – oder einfach: Eine Reispfanne mit Avocado Stückchen oben drauf."
Anastasija Roon, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

In der Box, die Anastasija bestellt hat, ist alles drin, was sie für den "Cheesy Enchilada Reis mit schwarzen Bohnen" braucht – die richtige Menge an Knoblauch, die abgemessene Portion Reis und auch eine kleine Tüte Nachos zum Drüberbröseln.

Gemeinsam mit ihrer Freundin Marianne kocht sie genau nach dem mitgelieferten Rezept. Über die Abfolge in der Küche müssen sie sich also keine Gedanken machen. Das ist zwar praktisch, dafür gebe man aber auch etwas ganz Grundsätzliches ab, findet Marianne: Die Fähigkeit, Essen selbst auszuwählen, zu kaufen und zuzubereiten.

Aufwand für Kochboxen riesig

Denn Kochboxen erfordern in ihrer Herstellung und bei der Logistik viel Planung: Gemüse muss geteilt und die Sets portionsweise zusammengestellt werden. Dann müssen die Zutaten bis zum letzten Meter vor der Haustür frisch bleiben - auch Fleisch. Das bedeutet mehr Verpackungsmüll. Einige Anbieter wie Lidl haben das Geschäft mit den Kochboxen ausprobiert und wieder eingestellt.

Während der Coronavirus-Pandemie hat der Online-Handel für Lebensmittel zugenommen. Hellofresh etwa konnte 2021 seinen Umsatz um 60 Prozent steigern. Im selben Jahr ist das Unternehmen in den deutschen Aktienindex aufsteigen. Aktuell bewegt sich die Aktie aber auf den hinteren Plätzen des DAX.

Umkämpfter Markt für Online-Lebensmittel

Denn: die Konkurrenz ist groß. Amazon etwa verbindet das Konzept ihrer Kochboxen mit ihrem Sprachassistenten Alexa. Daneben gibt es welche, die mit besonders günstigen Gerichten und einfachen Rezepten werben. Andere versprechen, ihre CO2-Emissionen mit Baumpflanzaktionen auszugleichen.

Gleichzeitig haben große Supermarktketten sich das Konzept der Portionierung angeeignet. Wer ein Reis-Gericht googelt, kann beispielsweise bei Rewe gleich die passenden Lebensmittel bestellen. Um auf dem Markt zu bestehen, müssen sich die Unternehmen abheben, erklärt der Food-Experte Hendrik Haase.

"Die ersten Kochboxen gab es bereits 2007 – da wurde nach Wegen gesucht, die Leute dazu zu bewegen neben Videos, Musik und Elektronik auch Lebensmittel online zu bestellen."
Hendrik Haase, Food-Blogger und Experte für Essen im digitalen Wandel

Das Konzept von Food-Boxen hat 2007 das schwedische Unternehmen Middagsfrid - "Mittagsfrieden" entwickelt und die ersten Kochboxen verschickt. Die Pandemie hat dem Geschäft mit den Kochboxen noch einmal so richtig Auftrieb gegeben, aber solche Umsatzsteigerungen, wie Hellofresh sie ihm vergangenen Jahr verzeichnet hat, wird das Unternehmen wohl erstmal einmal nicht mehr verzeichnen.

Am Ende wird es wohl die Vielfalt machen. Es wird sich nicht ein einziges Konzept für unsere Lebensmittelbeschaffung durchsetzen. Das heißt, wir werden in Zukunft mal im Supermarkt einkaufen, mal auf dem Wochenmarkt aber eben auch mal ein fertiges Gericht oder eine Kochbox online bestellen.