Mussolini aß gern rohen Knoblauch mit Öl und Zitrone, Hitler bevorzugte mit Pistazien gefüllte Tauben: Das Buch "Dictators' Dinners" präsentiert Lieblingsrezepte und Hintergründe zu den Essgewohnheiten von Diktatoren.

Kochbücher gibt's ja wie Sand am Meer, aber das hier ist etwas anders: Dictators' Dinners: A Bad Taste Guide to Entertaining Tyrants klärt seine Leser darüber auf, was Diktatoren des 20. Jahrhunderts gerne gegessen haben.

  • Hitler mochte mit Pistazien gefüllte Tauben, bevor er wegen Verdauungsbeschwerden Vegetarier wurde.
  • Der Jugoslawe Tito soll gern scheibenweise warmes Schweinefett gegessen haben.
  • Bei Stalin sind Essen wohl öfter mal zu Besäufnissen ausgeartet.

Die Essgewohnheiten der Diktatoren

Das Buch stellt einerseits Rezepte vor, es geht aber auch um das Motto, "Du bist, was du isst", sagt Tina Kießling aus der DRadio-Wissen-Redaktion. Die BBC-Kollegen schreiben zum Beispiel in ihrer Buchkritik, dass die Lieblingsspeisen kommunistischer Führer oft ganz einfach waren.

"Die Speisen stehen als Symbol dafür, wie verbunden man sich mit dem Volk zeigen wollte."
Tina Kießling über Dictators' Dinners

Der Jugoslawe Tito hat zum Beispiel gern warmes Schweinefett in Scheiben gegessen. Der Rumäne Ceausescu bevorzugte ein Gericht, bei dem man ein komplettes Huhn in einen Topf warf - auch Schnabel und die Füße - und der Portugiese Antonio Salazar mochte am liebsten Sardinen, weil sie ihn angeblich an seine Kindheit erinnerten: Er sei in so ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, dass er sich mit seinen Geschwistern eine einzelne Sardine habe teilen müssen.

Essen mit Funktion

Abgesehen vom Essen an sich war die Art und Weise, wie gegessen wurde, auch eine Möglichkeit, Macht auszuüben. Von Stalin zum Beispiel ist bekannt, dass Essen mit Staatsgästen oft in stundenlange Gelage ausarteten, denen sich die Gäste nicht entziehen konnten - da sie den Gastgeber sonst beleidigt hätten. Im Hause Stalin gab es häufig auch Trinkspiele - ebenfalls eine Form der Machtdemonstration, erklärt Tina Kießling. Es heißt zum Beispiel, dass Tito, als er einmal zu Gast war, das Ganze nur durchgehalten habe, weil er sich zwischendurch immer mal wieder übergeben hat.

"Die Autorinnen wollen Diktatoren nicht verharmlosen, finden aber: Das waren Menschen - auch wenn der Grat zwischen Monster und Mensch manchmal sehr schmal ist."
Tina Kießling über Dictators' Dinners