Seit vier Jahren hat Kristina Lang ihren Körper nicht rasiert. Die Reaktionen der anderen sind sehr unterschiedlich. Was für Kristina zählt, ist, dass sie sich schön, weiblich und sexy fühlt.

Kristina Lang kann sich genau an den Moment erinnern, an dem sie sich dazu entschieden hat, ihre Haare wachsen zu lassen. Sie wohnte nicht weit vom Meer entfernt und wollte an den Strand fahren. Das Einzige, was sie daran hinderte, war ihr unrasierter Körper, den sie sich so nicht zu zeigen wagte. 

Da das Entfernen der Achsel-, Scham- und Beinhaare zu lange gedauert hätte, entschied sie sich fast dazu, zu Hause zu bleiben. Und diese Entscheidung überraschte sie selbst so sehr, dass sie sich dazu entschied, unrasiert an den Strand zu fahren. 

"Für einen Job wurde mir die Bedingung gestellt, dass ich mich rasieren müsse. Ich habe nicht lange gezögert und gesagt, nee, ich mache es nicht."
Kristina Lang, Coach
Kristina Lang hebt den Arm, um ihre behaarte Achselhöhle zu zeigen.
© Kristina Lang
Kristina Lang findet ihre Körperbehaarung schön und steht dazu.

Als Kristina das erste Mal unrasiert im Bikini am Strand stand, fühlte sie sich so hässlich wie nie zuvor. Es dauerte eine Weile, bis sie sich mit ihrem neuen Aussehen versöhnt und darüber mehr Selbstbewusstsein erlangt hatte. 

Durch die Tatsache, dass sie ihre Haare nicht mehr rasierte und andere Leute darauf reagierten, war sie dazu gezwungen, sich mit ihrer Scham, den verinnerlichten gesellschaftlichen Konventionen auseinanderzusetzen. Darüber gelang es ihr, ihren eigenen Selbsthass zu überwinden, sagt Kristina Lang.

"Die Reaktionen sind gemischt, aber das juckt mich nicht mehr so."
Kristina Lang, Coach
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Inzwischen arbeitet Kristina als Coach und berät andere in schwierigen Lebenssituationen. Seit vier Jahren hat sie sich nicht mehr rasiert und fühlt sich befreit. Auch, wenn andere Leute negativ auf ihr Äußerliches reagieren, stört sie das nicht mehr. Wie manche Leute am Strand auf Kristinas Körperbehaarung reagieren, hat sie in einem Video festgehalten. 

Insgeheim freut sie sich sogar, dass sie denjenigen "getriggert" und ihm somit etwas gegeben hat, was ihn möglicherweise dazu anregt, über Konventionen und über unsere Vorstellungen davon, was schön und was nicht schön ist, nachzudenken. 

"Da siehst du, dass Leistungsdruck auf der rein oberflächlichen Ebene unglaublich krass ist."
Kristina Lang, Coach

Kristina fordert nicht, dass jede Frau es ihr gleich tun und sich nicht mehr rasieren sollte. Sie ruft vielmehr dazu auf, dass Frauen - aber auch Männer - ihre Körperbehaarung wachsen lassen sollten, um herauszufinden, wie sich das für sie anfühlt. Erst dann sollten sie entscheiden, ob sie die eigenen Haare wieder entfernen oder weiter wachsen lassen wollen. 

Unter dem Hashtag #januhairy posten auf Instagram weltweit Frauen, die sich wie Kristina Lang gegen das Rasieren von Beinen, Achsel- und Schamhaaren entschieden haben.

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