Ja, die beiden Bilder oben zeigen die gleiche Person – es ist Leonie, die erst magersüchtig und dann muskelsüchtig (linkes Bild) war. Heute ist sie wieder gesund (rechtes Bild), hat wieder Freude an Ernährung und Sport und weiß, dass sie viel mehr wert ist als ein Sixpack.

Als Leonie magersüchtig war, war sie "so dünn, wie man sich so eine Magersüchtige vorstellt: Beine so dick wie Streichhölzer und die Arme eigentlich nur so dick wie Finger", beschreibt sie selbst. In der schlimmsten Zeit wog Leonie bei 1,70 m Körpergröße 46 Kilo.

Leonie schlittert aus der Magersucht in die Muskelsucht

Als sie sich von der Essstörung erholt, beginnt Leonie intensiv mit Krafttraining. Schnell baut sie viele Muskeln auf, hat breite Schultern und ein breites Kreuz.

"Meiner Meinung nach sah ich, wenn ich Klamotten anhatte, immer relativ normal aus", beschreibt Leonie. "Aber wenn ich mir heute die Bilder von damals anschaue, dann hat man das schon deutlich gesehen." Heute weiß sie, dass sie die Magersucht mit der Muskelsucht kompensiert hat.

"Die Muskelsucht hat die Magersucht abgelöst. Das war eine Art von Kompensation."
Leonie über ihre Mager- und Muskelsucht

Am Anfang geht Leonie etwa dreimal die Woche ins Fitnessstudio. Dann nimmt sie auch an Wettkämpfen teil und trainiert sechs Tage die Woche mit jeweils vier Stunden Training. Gleichzeitig macht sie auch noch eine Ausbildung zur Journalistin.

Ihr Tagesablauf sieht dann so aus: Morgens macht sie direkt nach dem Aufstehen ein einstündiges Cardio-Training auf nüchternen Magen, dann geht Leonie arbeiten. Nach der Arbeit trainiert sie und der Rest des Abends geht für Mealprep drauf – schließlich muss Leonie sechs Mahlzeiten für die nächsten Tage vorkochen. "Es war relativ wenig Zeit für soziale Kontakte", sagt Leonie. Zwar konnten ihre Freundinnen nichts mit Fitness anfangen, akzeptierten aber ihren Lebensstil.

"Freundinnen hatte ich, allerdings sehr wenige. Aber damit kam ich gut klar."
Leonie über ihre Zeit während der Muskelsucht

Im Fitnessstudio trainiert sie mit Gleichgesinnten und fühlt sich motiviert. Leonies Familie ist aber besorgt und spricht sie auf ihr Training an. "Wenn ich da jetzt rückblickend drauf schaue, dann denke ich mir natürlich: Du hast da total abgeblockt und wolltest das eigentlich gar nicht hören, was die da gesagt haben", erinnert sich Leonie.

Wenn sie während dieser Zeit unterwegs ist und sich mit anderen Menschen vergleicht, merkt sie: "Du siehst schon krass aus im Vergleich zum Normalo." Diese Beobachtung blendet sie aber beim Training und auch auf Instagram im Vergleich zu anderen Bodybuildern wieder aus.

Trotz allem findet Leonie sich nicht schön

Leonie findet sich trotz der intensiven Arbeit an ihrem Körper nicht schön – sondern einfach normal, wie sie es beschreibt. Sie will immer mehr Muskeln aufbauen und kann ihr Körperbild nicht mehr einschätzen: "Man hat keinen realistischen Blick mehr für seinen Körper", sagt sie.

Irgendwann geht es Leonie aber nicht mehr um ihren Körper, sondern um Disziplin: "Es ging dann gar nicht mal mehr um mein Aussehen, sondern dass ich das wirklich erreiche und schaffe", beschreibt sie ihren Ehrgeiz.

"Ich wollte noch muskulöser sein, ich wollte noch mehr."
Leonie über ihre Muskelsucht

Inzwischen spielen Ernährung und exzessiver Sport keine Rolle mehr in ihrem Leben, sagt Leonie. "Ich mache immer noch super gerne Sport – aber gemäßigt. Das mache ich einfach, weil es mir Spaß macht."

Leonis Freund hilft ihr, ihren Selbstwert zu stärken

Durch die Unterstützung ihres Freundes merkt Leonie: Sie ist viel mehr wert als ein Sixpack. Auch ihren Instagram-Account hat sie gelöscht, um sich nicht mehr mit anderen Sportlerinnen und Sportlern zu vergleichen.

"Was mir geholfen hat, war mir immer wieder zu sagen: Wofür mache ich das eigentlich? Wozu quäle ich mich so?"
Leonie

Heute stellt Leonie fest: "Andere Menschen, die dich sehen, interessiert es nicht, wie du aussiehst. Es ist völlig irrelevant."

Ein ideales Körperbild ist nicht mehr ihr Lebensziel. "Ich möchte mein Leben genießen und das kann ich nicht, wenn ich jeden Morgen um fünf aufstehe, arbeiten gehe, Sport mache und mealpreppe. Dann zieht mein Leben einfach an mir vorbei." Leonie will zwar ihre Muskelsucht nicht aus ihrem Leben streichen – "aber ich bin einfach froh, dass ich da jetzt raus bin."