Unter anderem der Klimawandel hat dazu geführt, dass Kaffee in den vergangenen Jahren deutlich teurer geworden ist. In Finnland versuchen Forschende, Kaffee im Labor herzustellen – ohne dass man Kaffeebohnen braucht.
Extremwetterereignisse wie Dürren und Überschwemmungen sorgen dafür, dass der Kaffeeanbau immer schwieriger wird und weniger Ertrag bringt. Das VTT Technical Research Centre of Finland in Espoo bereitet sich auf eine mögliche Zukunft vor, in der "echter" Kaffee unerschwinglich geworden sein könnte.
Kaffee aus Zellen der Kaffeepflanze
Die Forschenden brauchen keine Kaffeebohnen, stattdessen verwenden sie Zellen von Kaffeepflanzen, genauer gesagt von Robusta- und Arabica-Sorten. Die Zellen werden – ganz unabhängig vom Wetter draußen – in Nährlösungen im Labor kultiviert und vermehrt: In großen Stahltanks, sogenannten Bioreaktoren, wachsen sie zu einer Biomasse heran.
"Die Kaffee-Zellen werden in Bioreaktoren vermehrt – da kommt dann ein beigefarbener Brei raus."
Am Ende entsteht beigefarbener Brei, der optisch noch so gar nichts mit dem zu tun hat, was wir uns unter Kaffee vorstellen, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Alexander Nette.
Doch nachdem der Brei getrocknet und geröstet wurde, sieht er tatsächlich aus wie das braune, gemahlene Kaffeepulver, das wir kennen. Und man kann es auch genauso aufbrühen.
Beim Geschmack brauchts noch Feintuning
Unser Reporter konnte den Laborkaffee noch nicht selbst probieren – dafür aber Heiko Rischer (im Bild oben rechts). Er leitet als Biotechnologe das Projekt am VTT-Forschungszentrum. Optimal sei die Röstung noch nicht, sagt er. Der Geschmack sei noch ziemlich bitter und eine Art Schwarzteegeschmack komme noch durch.
"Das hatte schon eine große Bitternote. Aber was noch durchkam, war wie Schwarzteegeschmack."
Andere Experten, die schon verkostet haben, hatten auch ein leicht pelziges Mundgefühl – bei der Säure und den Aromen besteht also noch etwas Optimierungsbedarf. Im Großen und Ganzen stimmt die Richtung aber und der Laborkaffee ist dem herkömmlichen Kaffee im Geruch und Geschmack schon sehr ähnlich.
Laborkaffee bald auch im Supermarkt?
Die Aufgabe der Forschenden in Finnland war es erstmal, ein Verfahren zu entwickeln, um überhaupt Kaffee ohne Kaffeebohnen im Labor herzustellen. Das wurde bisher nur in sehr kleinen Mengen gemacht. Ob und wann wir einen solchen Kaffee auch im Supermarkt kaufen können und ob er zu einer echten Alternative zum herkömmlichen Kaffee wird, lässt sich noch nicht belastbar sagen.
Auf lange Sicht ist Heiko Rischer aber optimistisch. Er und sein Team haben Studien dazu durchgeführt, wie zellbasierte Nahrungsmittel angenommen werden. Ergebnis: Vor allem Jüngere waren offen für den Ansatz.
"Kurzfristig würde ich nicht sehen, dass es den Kaffee komplett oder weitestgehend ersetzt – speziell im Massenproduktionsbereich. Aber auf lange Sicht wird es seinen Platz schon finden, denke ich."
Sogenannte Novel Foods brauchen eine Zulassung – erst danach können sie verkauft werden. Bis jetzt wurde die Zulassung für den Laborkaffee noch nicht beantragt. Rischer rechnet aber damit, dass das schon Ende 2026 passieren könnte. Vermutlich wird der Kaffee dann aber erstmal in anderen Ländern zu kaufen sein, sagt Alexander Nette.
Weniger CO2-Emissionen und Anbauflächen
Die Vorstellung, sich getrockneten Zellbrei aufzubrühen, ist für viele Kaffee-Liebhaber*innen wahrscheinlich nicht so verlockend. Gerade über das Aroma der Bohnen und wie sie geröstet werden, gibt es ja in diversen Foren geradezu philosophische Abhandlungen.
Sollten die Forschenden das mit dem Geschmack hinbekommen, werden sich diese Bedenken aber vielleicht (auf)lösen lassen. Zumal es – gerade im Hinblick auf den Klimawandel, der die Kaffeepreise aktuell anhebt – durchaus positive Argumente für den Laborkaffee gibt:
- unabhängig von Wetter und Klima
- weniger (Anbau-)Fläche und Wasser benötigt
- geringere CO2-Emissionen
- viel kürzere Transportwege, weil Bioreaktoren überall betrieben werden können
Ein Nachteil könnten langfristig natürlich die Auswirkungen auf die Jahrhunderte alte Tradition des Kaffeeanbaus sein – ganz konkret auch hinsichtlich wegfallender Arbeitsplätze.
