Das Geschäft mit Kokain brummt, sagen Fahnder. Allein in den letzten zwei Jahren haben Polizei und Zoll mehrmals große Lieferungen gefunden - das sind Pakete über 50 Kilogramm. Die Anzahl solcher Funde hat um rund 70 Prozent zugenommen.

Toller Fahndungserfolg, könnte man meinen. Gleichzeitig aber zeigen Recherchen des Norddeutschen Rundfunks, dass dies nur ein Bruchteil dessen ist, was über deutsche und europäische Häfen auf den Markt geschmuggelt wird. Anfang Januar zum Beispiel haben Zollbeamte die größte, jemals gefundene Menge an Kokain bei einer Kontrolle im Hamburger Hafen sichergestellt. Auf einem Schiff aus Curacao fanden sie 700 Kilogramm Kokain.

Obwohl diese Menge vom Markt abgeschöpft wurde, hatte das keine Auswirkungen auf den Straßenpreis. Dasselbe sehen Zöllner und Polizisten derzeit in ganz Europa: Sie beschlagnahmen riesige Mengen Koks, aber der Preis verändert sich nirgends.

„Der Schluss liegt nahe: Die Kokainbanden in Europa haben so große Reserven, dass sie auch riesige Verluste ganz entspannt verkraften können.“
Benedikt Strunz, NDR

Die Ermittler sind extrem vernetzt, sie arbeiten auch mit der amerikanischen und der südamerikanischen Drogenpolizei und dem dortigen Zoll zusammen. Hier in Deutschland hat der Zoll eigene Spezialkräfte, die sich nur um den internationalen Rauschgifthandel kümmern. Die arbeiten wiederum mit den Landeskriminalämtern zusammen. Viele Zöllner und Polizisten sind jedoch frustriert, was ihre technische Ausstattung angeht, fand das Rechercheteam des NDR heraus.

"Ein Zöllner hat mir bei der Recherche gesagt: Wir müssten eigentlich auf dem Stand der Cebit sein, um den Tätern auf den Fersen zu sein. Tatsächlich hängen wir da zehn Jahre hinterher."
Benedikt Strunz, NDR

Ermittler gehen davon aus, dass internationale Kokainbanden Hafenarbeiter und möglicherweise auch den Zoll bestechen. Sie arbeiten in sehr kleinen Einheiten, das heißt mit unterschiedlichen Zuständigen für einzelne Teile des Transports und für die Geldwäsche. Albanische, deutsche, osteuropäische Täter sind beteiligt. Auch die italienische 'Ndrangheta, die kalabrische Mafia, mischt mit. Dafür bräuchte der Zoll eine viel komplexere Überwachungstechnik. Die Ermittler würden gerne stärker überwachen, aber dafür gibt es hohe gesetzliche Hürden.

Abstruse Verstecke

Die Verstecke werden immer abwegiger. Kokain wird beispielsweise von Schiffen abgeworfen, dann auf hoher See oder an Inseln wieder eingesammelt. Es wird in Türen eingebaut oder Holzkohlebriketts werden damit gefüllt. In Hamburg hat der Zoll Baumaschinen beschlagnahmt, in deren Zahnräder Kokainpakete eingeschweißt waren.

Die Zöllner stehen teils auf verlorenem Posten. Denn allein im Hamburger Hafen kommen im Jahr mehrere Millionen Container an. Nur um einen Container gründlich zu kontrollieren, braucht man einen halben Tag.