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Deutschland hat als Kolonialmacht Völkermord an zwei indigenen Gemeinschaften im heutigen Namibia begangen. Mehr als ein Jahrhundert später erkennt Deutschland den Völkermord jetzt an. Zwischen 1904 und 1908 haben deutsche Siedler insgesamt 65.000 Herero und mindestens 10.000 Nama getötet.

Über ein Jahrhundert hat es gedauert, jetzt erkennt Deutschland den Genozid an der indigenen Völkern der Herero und Nama an. Zwischen 1904 und 1908 wurden insgesamt 65.000 der 80.000 Herero und mindestens 10.000 der 20.000 Nama durch deutsche Siedler und Soldaten getötet.

Anerkennung über 100 Jahre später

Deutsche Siedler nahmen 1884 das Gebiet des heutigen Namibia in Besitz und erklärten es zur deutschen Kolonie Deutsch-Südwestafrika. Im Zuge der Inbesitznahmen verdrängten sie die indigenen Gemeinschaften der Herero und Nama.

Die Folge: Beispielsweise hatten die Herero keinen Platz mehr für ihre Rinderzucht und mussten auf den Farmen der Deutschen arbeiten – teilweise unter extrem schlechten Bedingungen. Siedler und Kolonialverwaltung haben die Bevölkerung systematisch unterdrückt und diskriminiert.

Als die Herero 1904 gegen die Kolonialherren rebellierten, wurde der Aufstand von den deutschen Siedler innerhalb weniger Monat extrem blutig niedergeschlagen. Die Herero, die überlebt hatten, flohen in die Omaheke-Wüste, wo Tausende verdursten. Oft haben deutsche Besatzer die Wasserstellen auch vergiftet.

Erste Konzentrationslager in deutscher Kolonie

Einen weiteren Aufstand der Nama im Sommer desselben Jahres unterdrückten die Deutschen ebenfalls gewaltsam. Bis 1908 kam es zu ähnlichen Auseinandersetzungen, auf die deutsche Siedler und Soldaten mit extremer Brutalität reagierten.

Viele Indigene wurden von den Deutschen erschossen oder erhängt, sobald sie verdächtigt wurden, sich an den Aufständen gegen die deutsche Kolonialmacht zu beteiligen. Im damaligen Deutsch-Südwestafrika sind die ersten Konzentrationslager entstanden, in denen gefangengenommene Herero und Nama unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten wurden.

"Bis 1908 gab es immer wieder kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Aufständischen und der deutschen Besatzungsmacht, die immer wieder mit extremer Brutalität vorgegangen ist."
Meike Rosenplänter, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Auf die Anerkennung des Völkermordes soll eine Entschuldigung Deutschlands folgen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier möchte im namibischen Parlament in Windhoek um Vergebung bitten. Als "Geste der Anerkennung des unermesslichen Leids" hat Deutschland Namibia 1,1 Milliarden Euro über einen Zeitraum von 30 Jahren zugesagt. Das Geld solle vor allem für Projekte zum Wiederaufbau für die Nachkommen der Opfer gedacht sein.

Kritik gegen Verhandlungen zwischen Staaten

Kritik kommt unter anderen von den indigenen Gemeinschaften selbst. Sie kritisieren, dass Deutschland nur mit der Regierung Namibias verhandelt habe, aber nicht mit den Vertretern der Herero und Nama oder nur vereinzelt. Auch die Entschuldigung des Bundespräsidenten findet nur im Parlament statt, nicht bei den Herero und Nama selbst.