In der kolumbianischen Grenzstadt stranden neben Migranten aus Kuba auch Flüchtlinge aus Afrika und Asien auf ihrem Weg in die USA. Weil die Flüchtlingszahlen steigen, haben einige mittelamerikanische Länder ihre Grenzen dicht gemacht.

Turbo liegt an der Karibikküste und zählt 170.000 Einwohner. Von dort ist es nicht mehr weit bis zur Grenze mit Panama. Immer mehr Flüchtlinge aus Kuba und Haiti, aber auch aus Afrika und Asien tauchen in Turbo auf. Sie hoffen mit Hilfe von Schleppern in die USA zu gelangen. Nicaragua und Costa Rica haben ihre Grenzen deshalb schon dicht gemacht - genauso wie Anfang Mai Panama, weil immer mehr Flüchtlinge diesen Weg nehmen.

Umweg über 5000 Kilometer

Viele Kubaner trauen der neuen Öffnung in ihrem Land nicht und wollen die großzügigen Einwanderungsregelungen in die USA für Kubaner nutzen, solange diese noch bestehen. Weil es noch keine direkte Fähr- oder Flugverbindung zwischen Kuba und den USA gibt, müssten sie den Umweg über Mittelamerika nehmen. Für viele zentralamerikanischen Staaten benötigen die Kubaner aber Visa. Daher reisen sie nach Guayana oder Ecuador, um sich dann auf dem Landweg bis in die USA durchzuschlagen - so circa 5000 Kilometer. Im Vergleich: Kuba - USA liegen Luftlinie 200 Kilometer entfernt.

Wegen der Grenzschließungen sitzen zahlreiche Kubaner in den mittelamerikanischen Ländern fest. Inzwischen werden immer mehr in den Norden ausgeflogen. Darauf hoffen jetzt auch die kubanischen Flüchtlinge in Turbo. Für alle anderen Flüchtlinge gibt es diese Option nicht.

"Das kann sehr schnell lebensgefährlich werden, weil sich im Grenzgebiet zwischen Kolumbien und Panama ein schwer durchdringbarer Dschungel befindet. Da sind nicht nur kriminelle Banden aktiv, sondern auch die Guerilla."
Johannes Kulms, DRadio Wissen

Die Flüchtlinge aus Afrika und Asien gelangen erst nach Brasilien und schlagen sich von dort nach Kolumbien durch - die nördlichste Spitze Südamerikas. Sie hoffen, dass Schlepper sie sicher durch den Dschungel zwischen Kolumbien und Panama über die Grenze bringen und sie ihren Weg durch Mittelamerika fortsetzen können. Ein extrem anstrengender und gefährlicher Weg, auf dem immer wieder Menschen umkommen.

Obwohl die meisten Einwohner in Turbo von ehemaligen Sklaven und Ureinwohnern abstammen und deshalb eine sehr dunkle Hautfarbe haben, diskriminieren sie gerade die Migranten aus Afrika. Hartnäckig hält sich das Vorurteil, die Flüchtlinge würden Krankheiten einschleppen. Dennoch finden sich einige hilfsbereite Menschen in Turbo, die den Flüchtlingen Schlafplätze anbieten und Suppenküchen organisieren.

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