Eine Bar, in der sich niemand unterhält, sondern alle nur an ihren Smartphones rumspielen? Nicht mit Steve Tyler. In seinem Gin Tub in Sussex ist jetzt Schluss mit Handys - und Schluss mit Handyempfang.

Es klingt absurd, aber Steve Tyler hat seine Bar in einen Faradayschen Käfig verwandelt. Das kennen wir vom Auto, wo die Insassen unversehrt bleiben, wenn ein Blitz einschlägt. Steve Tyler verlegte Kupferdraht in der Decke seiner Bar und Alufolie an den Wänden. Und einen WLAN-Router gibt es natürlich auch nicht. Das schirmt die Bar so sehr ab, dass die Besucher drinnen an den meisten Stellen keinen Empfang haben.

Steve ist mit dem Ergebnis seiner Bastelarbeiten sehr zufrieden. In einem Interview mit dem National Public Radio in den USA erzählt er, er habe das Gefühl, dass sich seine Bar verändert habe. Die Gäste würden es mögen und sich tatsächlich wieder mehr unterhalten. Die These unseres Netzautoren Konstantin Zurawski: Das Ganze funktioniert, weil es institutionalisiert ist. Die Gäste wüssten bei Betreten der Bar: Hier ist internetfreie Zone, und so könne sich jeder besser auf dieses Experiment einlassen. Steve Tyler hat ein Schild aufgehängt, auf dem steht: "No Wi-Fi, no signal, just friends".

"Wir haben ja Bock auf Smartphones, sonst würden wir sie nicht ständig benutzen."
Netzautor Konstantin Zurawski

Die These, dass Smartphones Gespräche verhindern, ist nicht neu: Wer auf sein Handy guckt, kann nicht quatschen. Andererseits: Früher haben Gäste in Bars Zeitung oder ein Buch gelesen oder Kreuzworträtsel gelöst. Niemand muss sich in einer Bar zwingend unterhalten, vielleicht findet man auch einfach die Atmosphäre nett. Anderseits: Keine Zeitung, kein Kreuzworträtsel hat dieselbe Macht wie ein Smartphone uns abzulenken. Die Tausend Möglichkeiten, die Kommunikation mit anderen, die Updates, die Chance etwas Wichtiges mitzubekommen, das Gefühl Teil einer Gemeinschaft zu sein - all dem ist viel schwieriger zu widerstehen, als einer Zeitung.

Bleibt die Frage, ob das überhaupt ein Problem ist. Vielleicht richten wir uns einfach darauf ein, dass das Smartphone heute immer dabei ist. Wir lernen mit anderen zu reden, während wir unsere Smartphones immer im Anschlag haben. Sherry Turkle, Professorin am MIT in Camebridge, sieht das allerdings anders. Ihre Thesen:

  • Smartphones haben einen negativen Einfluss auf die Qualität unserer Gespräche. Untersuchungen hätten gezeigt: Wenn in einem Café bei einem Gespräch ein Smartphone nur auf dem Tisch liegt, unterhalten wir uns eher über Dinge, bei denen es nicht stören würde, unterbrochen zu werden. Die Kommunikation wird also oberflächlicher.
  • Ist ein Smartphone bei einem Gespräch anwesend, ist die Verbindung zwischen den Gesprächspartnern schwächer, die Empathie ist reduziert, es wird weniger über Emotionen gesprochen.