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Wer einen Ratschlag gibt, will helfen – doch man kann auch schnell empathielos und unaufmerksam rüberkommen. Der Kommunikationstrainer Jonas Zhang erklärt, wann Rat angebracht ist und gibt Tipps, wie wir alle zu besseren Ratschlaggebern werden.

Ratschläge sind oft eine schwierige Sache: Wenn eine Freund*in von einem Problem erzählt, das man schon mal in einer ähnlichen Form erlebt hat – soll man dann gleich davon erzählen, wie man selbst die Situation gemeistert hat, um zu helfen?

"Da stellt sich natürlich die Frage: Ist die andere Person offen?"
Jonas Zhang über den Nutzen von Ratschlägen

"Grundsätzlich sind eigene Erfahrungen potenziell immer gute Ratschläge", sagt der Kommunikationstrainer Jonas Zhang. Die Frage sei aber immer, ob im Gespräch der richtige Zeitpunkt dafür erreicht sei.

Das könne man etwa daran erkennen, wenn das Gegenüber konkret nach einem Ratschlag fragt. "Andererseits gibt es wiederum Leute, die sagen: Ich bin nicht ganz offen dafür, weil ich nicht den Eindruck habe: Wir sind ähnlich genug, dass deine Ratschläge auch wirklich auf mich zutreffen können." Es sei in jedem Fall total legitim, keinen Ratschlag haben zu wollen.

Ein Ratschlag reflektiert oft unsere eigene Erfahrung – und nicht die des Ratsuchenden

Ratschläge zu geben ist grundsätzlich eine sehr menschliche Sache, meint Jonas. "Wir Menschen sind ja irgendwie alle in einem eigenen Film", beschreibt er. "Wir berichten dann natürlich gerne von unserem Leben – weil wir glauben, dass viele Sachen, die wir erleben, auch andere Menschen so erleben." Das sei aber nicht der Fall, was psychologisch bewiesen sei.

Bei Ratschlägen, die auf der eigenen Erfahrung basieren, würden wir oft die Individualität der anderen Person vernachlässigen. So könne es passieren, dass ein Ratschlag zwar gut gemeint ist, aber schlecht ankommt. "Tatsächlich gibt es meist den Effekt, dass man dann unhöflich und unempathisch rüberkommt", sagt Jonas Zhang. "Man hat den Eindruck: Die andere Person hört gar nicht richtig zu, hat das Ganze gar nicht verstanden und will jetzt einfach nur über sich selbst reden."

Die Checkliste für bessere Ratschläge

  • Achtsam Zuhören: "Das heißt zum einen, wirklich die andere Person verstanden zu haben, sich hineingefühlt zu haben, empathisch gewesen zu sein", so Jonas Zhang. Es sei ganz wichtig, die geschilderte Situation zu begreifen – "nicht nur auf einer inhaltlichen Ebene, sondern auch auf der Beziehungsebene. Dass die andere Person das Gefühl hat: Hey, da ist gerade eine Person bei mir."
  • Eine konkrete Erlaubnis einholen, die eigene Meinung zu äußern. Das könne indirekt auch automatisch geschehen, wenn beide Gesprächspartner*innen wissen, dass die Beziehung sehr innig und vertrauenswürdig ist. Eine verbale Nachfrage sei aber genauso gut, meint der Psychologe. "Das ist eine super effektive und direkte, klare Kommunikationsart."
  • Verständliche Kommunikation des Ratschlags. "Wirklich so, dass die andere Person begreift: Was sagst du gerade inhaltlich?", beschreibt Jonas.

Dass wir als Ratschlag-gebende Person eine Situation nicht nachvollziehen können, kommt häufiger vor, als man denkt, betont Jonas Zhang. Das sei besonders bei komplexen Themen wie etwa psychischen Erkrankungen oder Schicksalsschlägen der Fall. In dem Fall sei es am besten, klar und ehrlich mitzuteilen, dass man bei dem Thema inhaltlich überfragt ist.

Man könne aber trotzdem Unterstützung anbieten und Empathie zeigen. "Die Botschaft sollte in der Kommunikation drin sein, dass man auf einer inhaltlichen Ebene nicht ganz weiterhelfen kann, weil man es einfach nicht verstehen kann", so Jonas Zhang. "Aber auf der Beziehungsebene, dass man da ist. Und dann kann man trotz eines Nichtverständnisses der Situation ein guter Ratschlag entstehen."

Unterstützen kann man nicht nur mit Ratschläge

Es gäbe auch viele Alternativen zu verbalen Ratschlägen, betont der Kommunikationstrainer. "Allein eine Umarmung signalisiert unglaublich viel, dass man für eine Person da ist. Vielleicht nicht, dass man inhaltlich wirklich weiterhilft – aber man hat das Gefühl, unterstützt zu werden." Denn das seien letztendlich auch Ratschläge.