Ungewollte Ratschläge können uns ziemlich treffen. Das ist etwas ganz Natürliches, sagt Laura Schnelle - und gibt Tipps, wie wir solche Bemerkungen besser erteilen und einstecken können.

Beim Familientreffen merkt die Oma mal wieder an: "Ich an deiner Stelle würde das Kuchenstück nicht mehr essen." Was als Ratschlag gut gemeint war, kommt oft als belehrende, so vielleicht nicht gewollte Bemerkung an.

Ungewollte Ratschläge nehmen wir oft als persönliche Kritik wahr

Das Problem an ungewollten Ratschlägen ist, dass wir daraus eine negative Kritik heraushören, erklärt Kommunikationstrainerin Laura Schnelle. Es schwinge immer die Nachricht mit: "Das, was du bisher gemacht hast, ist falsch.“ Entweder man kennt die Kritik dann schon selber und braucht niemanden mehr, der es wiederholt, so Laura Schnelle. Oder man möchte damit nicht konfrontiert werden.

Deswegen hören wir in den seltensten Fällen gerne Bemerkungen, wenn wir selbst nicht danach gefragt haben. Umso lieber erteilen wir aber selber welche. Das liegt daran, weil es beim Erteilen von Ratschlägen nicht nur um unser Gegenüber geht, sondern auch um unser eigenes Innenleben, so Laura Schnelle. Wir würden dadurch eine Verbindung mit dem Gegenüber anstreben und auch durch die Hilfe, von der wir überzeugt sind, sie zu geben, ein Befriedigungsgefühl bekommen.

"Es geht nicht nur um die Person, der wir Ratschläge geben. Das ist auch total in unserem eigenen Sinne."
Laura Schnelle

Natürlich gibt es trotzdem ungewollte Ratschläge - die man aber auch nicht alle ernst nehmen muss, sagt die Kommunikationstrainerin: "Ratschläge sind wie ein großes Büffet, und mir muss am Büffet nicht immer alles schmecken." Wenn eine Bemerkung also kommt, entscheiden wir selbst, ob wir diese umsetzen oder nicht. Wenn ein Ratschlag nicht passt, hilft ein höfliches, ablehnendes Danke.

"Ratschläge sind wie ein großes Büffet."
Laura Schnelle

Es gibt aber auch Situationen, in denen Ratschläge ausdrücklich nicht passend sind, warnt Laura Schnelle – nämlich dann, wenn gerade Empathie benötigt wird. "Der Satz 'Sei etwas verständnisvoller mit mir!‘ ist meistens ein Hinweis darauf, dass Klappe halten, eine gute Idee wäre", sagt die Berlinerin. "Und Raum zu geben für alles, was gerade so da ist, ohne mit dem erhobenen Zeigefinger daherzukommen."

Laura Schnelles Tipps für ungewollte Ratschläge:

  • Nach einem gut gemeinten Ratschlag den Gegenüber nach den eigenen Erfahrungen mit dem Thema fragen und somit das Gespräch nicht auf die eigene Reaktion, sondern etwa auf die Erfahrungen des Gegenübers mit der im Ratschlag erwähnten Situation fokussieren.
  • Nachfragen, ob der Ratschlag so gemeint ist, wie man selbst ihn gerade wahrgenommen hat. "Es gibt nie etwas, worüber man zu viel reden kann", sagt Laura Schnelle dazu. Aus der anfänglichen Bemerkung könne auch eine anregende Diskussion entstehen.
  • Später kann der Ratschlag immer noch höflich abgelehnt werden.
  • Wenn man selbst Ratschläge gibt, lohnt es sich, die Gründe und Gefühle, wieso gerade jetzt diese Bemerkung gemacht wird, zu nennen. Vorher nach dem Einverständnis zu fragen, macht das Gespräch auch viel entspannter.