Wenn du schwafelst, bin ich weg. Das geht uns nicht nur in den sozialen Medien so - dieses Prinzip prägt auch die Wissenschaftskommunikation.

Forscherinnen und Wissenschaftler präsentieren ihre Befunde auf Twitter, in Slams oder als Pecha Kucha. Ob und wie das die Kommunikation über Wissenschaft verändert, wurde auf der Tagung "Kurz und gut! Kommunikation in den Geisteswissenschaften in Zeiten von Twitter, Slam und 'alternativen Fakten'" besprochen.

Auf der Tagung gab es auch einen Exkurs in die Geschichte: Was hatten Gelehrte in der Antike und im Mittelalter zum kurzen oder ausschweifenden Reden zu sagen? Ist die Debatte über das Gebot zur Kürze wirklich so neu?

"Kürze liegt vor, wenn kein Wort außer dem Notwendigen herangezogen wird."
Cicero, De Inventione / Über die Auffindung des Stoffes

Maren Jäger vom Graduiertenkolleg "Literatur- und Wissensgeschichte kleiner Formen" an der Humboldt-Universität zu Berlin geht diesen Fragen in ihrem Vortrag nach. Er heißt: "'Nicht mehr als nötig!' - Zum Brevitas-Gebot der antiken Rhetorik". Ihr Vortrag ist trotz der überbordenden Thematik knapp (!), dicht und unterhaltsam.

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"Wie viel ist nötig? Und nötig für wen? Für den Sender, für den Empfänger? Wer bestimmt, was über das Nötige hinausgeht, was unnötig ist oder zum Nötigen fehlt?"

Perfekt an Maren Jägers Vortrag schließt der von Anita Traninger an: Die Romanistin von der Freien Universität Berlin hat untersucht, wie Kürze und Geschwätzigkeit vom Mittelalter bis in das 18. Jahrhundert bewertet wurden. Und siehe da: Ausschweifende Rede, längliches Schwätzen war bei Gelehrten zeitweise durchaus sehr angesagt. 

"Es ist der vollkommene Redner, der jedes ihm vorgelegte Thema pro oder contra behandeln kann. Aber wie ist das anzustellen? Überbordende Rede über jedes Thema?"

Beide Vorträge wurden am 4. Dezember 2017 gehalten. Die Tagung haben die Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, das Exzellenzcluster Topoi der Freien Universität Berlin und das Graduiertenkolleg Literatur- und Wissensgeschichte kleiner Formen der Humboldt-Universität organisiert.