Gut zehn Jahre nach Kriegsende entsteht Mitte der 1950er Jahre ein europäischer Musikwettbewerb, der neben Unterhaltung auch den Gedanken eines geeinten Europas zum Ausdruck bringen soll. Aus dem "Grand Prix Eurovision de la Chanson" ist inzwischen der "Eurovision Song Contest" geworden – und auch sonst gab es einige Veränderungen.

In Europa erholen sich Mitte der 1950er Jahre die Menschen allmählich von den Folgen des Zweiten Weltkriegs. Das Entsetzen über die Verbrechen und über das Ausmaß der Schäden ist einer Aufbruchstimmung gewichen, die in einem gemeinsamen Europa eine friedliche Zukunft für alle Bewohner und Bewohnerinnen des Kontinents sieht. 1950 war der Weltrundfunkverein aufgelöst und durch die EBU (European Broadcasting Union) ersetzt worden. Bei der EBU laufen fortan die Fäden von gemeinsam produzierten TV-Formaten aus mehr als 20 Ländern Europas und des angrenzenden Mittelmeerraums zusammen.

Erster Grand Prix findet in Lugano statt

Am Abend des 19. Oktober 1955 wird bei einem Treffen der EBU-Vertreter beschlossen, einen europäischen Musikwettbewerb auszurichten, der neben Unterhaltung auch den Gedanken eines geeinten Europas zum Ausdruck bringen soll. Als Austragungsort wird Lugano ausgewählt, wo am 24. Mai 1956 der erste Wettbewerb unter dem Titel "Gran Premio Eurovisione della Canzone Europea" ausgetragen wird. Die Schweizerin Lys Assia gewinnt gegen ihre Konkurrenten aus Belgien, aus der Bundesrepublik, aus Frankreich, Italien, Luxemburg und den Niederlanden.

Seitdem wird jedes Jahr der mittlerweile zum "Eurovision Song Contest" (ESC) umbenannte Wettbewerb ausgetragen. Der Abstimmungsmodus hat sich mit der Zeit verändert, die Qualität der Lieder und der Interpreten ist starken Schwankungen unterlegen. Aber für viele Menschen ist der ESC ein TV-Highlight, das nicht selten mit einer Retroparty, bei der es weniger um die Lieder als um ein Treffen mit Freunden geht, gefeiert wird.

Ihr hört außerdem in Eine Stunde History:

  • Der NDR-Journalist Peter Urban kommentiert seit vielen Jahren den "Eurovision Song Contest" und schildert die Veränderungen, die der Wettbewerb seitdem durchgemacht hat.
  • Jan Feddersen beschäftigt sich schon lange mit dem ESC und schildert Stationen der Geschichte des 1956 gestarteten "Grand Prix Eurovision de la Chanson".
  • Mit dem Lied "Guildo hat Euch lieb" nahm Guildo Horn 1998 am Grand Prix teil und belegte den 7. Platz.
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld beschreibt die Anfänge der Idee, einen europäischen Musikwettbewerb einzurichten, der Mitte der 1950er Jahre in die pro-europäische Aufbruchstimmung passen soll.
  • Deutschlandfunk-Nova-Reporter Sven Preger lässt die besten und erfolgreichsten Songs aus den vergangenen 65 Jahren noch einmal Revue passieren.