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Sich nach dem Lockdown wieder daran gewöhnen zu müssen unter mehr Leuten zu sein ist normal. Manchmal kann daraus aber auch Angst werden. Über die Unterschiede und das Zurück ins fast normale Leben geht's in dieser Ab 21.

Marie fühlt sich in ihrer Rolle als introvertierter Mensch eigentlich wohl. Sie hat einen ebenfalls eher introvertierten Freund, die zwei können sich auch mal gut aus dem Weg gehen. Ab und an vielleicht mal ein Happening, auf das sich dann aber lange genug vorbereitet wird. Aber trotzdem beschäftigt sie oft dieses unangenehme Gefühl, das vor fast jedem Treffen in ihr hochkommt, manchmal reicht sogar schon die Frage einer Freundin nach einem Treffen.

"Ich muss nicht unbedingt Leute treffen um zufrieden zu sein, mir reicht da auch das Schreiben. Alles andere ist für mich oft mit mentaler Anstrengung verbunden."
Marie stresst sich oft vor sozialen Veranstaltungen

Von sozialem Stress und sozialer Angst

Sich speziell nach dem Lockdown vor einem Treffen mit mehreren Leuten unwohl zu fühlen, findet André Wannemüller, Psychologe und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Ruhr-Uni Bochum, nicht problematisch: "Wir neigen alle dazu, in Situationen, in denen wir lange nicht mehr waren, zu fremdeln. Zu einer klinisch relevanten Angststörung gehört da schon mehr dazu."

Ein Merkmal, dass die Angst sich verselbstständigt hat, sei die sogenannte hartnäckige Vermeidung, sagt Wannemüller - wenn man also überhaupt nicht mehr in der Lage ist bestimmte Situationen aufzusuchen und sein Verhalten anzupassen, sondern grundsätzlich mit Vermeidung oder starker Angst reagiert.

Dazu können Herzklopfen, Schwitzen und Zittern kommen. Dann passt die Reaktion nicht mehr zum Level der Bedrohung. André Wannemüller: Die lange Phase der Kontaktlosigkeit hat solche Ängste begünstigt.

Auswirkungen der Pandemie auf uns:

  • In Großbritannien, wo es ja schon länger Lockerungen gibt als bei uns, berichten der BBC immer mehr Leute von einer "Social Anxiety Disorder".
  • Der gesellschaftliche Zusammenhalt in Deutschland ist in der ersten Zeit nach Ausbruch der Pandemie gewachsen. Das geht aus dem Radar gesellschaftlicher Zusammenhalt 2020 der Bertelsmann Stiftung hervor. Die Ausnahmesituation macht aber auch soziale Unterschiede sichtbarer und verschärft die Probleme bestimmter Bevölkerungsgruppen.
  • Die WHO-Direktorin für psychische Gesundheit Devora Kestel sagt, die Psyche sei "ein vergessener Aspekt von Covid-19": "Die Trauer um gestorbene Corona-Opfer, Vereinsamung, Einkommensverluste und Angst lösen psychische Erkrankungen aus oder verschlimmern bereits bestehende Erkrankungen."
  • Gaben für die Zeit vor der Pandemie mehr als 95 Prozent der befragten Kinder und Jugendliche aus Deutschland an, mit ihrem Leben zufrieden oder sehr zufrieden gewesen zu sein, so waren dies für die Zeit während der Pandemie nur noch 53 Prozent. Dies zeigt die internationale Studie COVID KIDS, die von Forscherinnen und Forschern der Universitäten Tübingen und Luxemburg durchgeführt wurde.

Hilfsangebote

Für Angehörige von an Depression erkrankten Menschen gibt es Information auf dem Portal Deutsche Depressionshilfe. Dort findet ihr auch die Hotline 0800-33 44 533 und einen Online-Ratgeber.

Wer selbst Hilfe braucht, kann sich telefonisch oder online bei der Telefonseelsorge melden. Unter den kostenlosen Hotlines 0800-111 0 111 und 0800-111 0 222 könnt ihr euch anonym und vertraulich beraten lassen.