Durch die Corona-Isolation hat sich gar nicht so viel geändert. Wer vorher von Treffen zu Treffen gehetzt ist, macht das wahrscheinlich immer noch – nur digital. Wer vorher eher Streamingdienste, Bücher und Couch bevorzugt hat, hat das vermutlich nicht geändert.

"Aber du bist doch jetzt den ganzen Tag zu Hause!" Das ist ein Satz, den die eine oder andere von uns in den vergangenen Wochen des Öfteren gehört haben. Ausgesprochen wurde er von Freundinnen, Eltern oder Kollegen – sie alle wollten "ja nur mal hören, wie es so geht". Für eine Stunde. Via Video-Chat. Völlig ungeachtet dessen, dass wir im Homeoffice tatsächlich arbeiten müssen, dass wir gerade Prüfungen vorzubereiten haben, oder einfach mal nichts machen wollten. Die Corona-Pandemie ändert zwar das wie unserer sozialen Beziehungen, aber nicht das wie viel. Wie viel sozialer Kontakt uns guttut, besprechen wir in der Ab 21.

So unterschiedlich gehen wir mit sozialen Kontakten um

Felix ist einer, der seine sozialen Kontakte vermisst. Er wird bald 30 und will trotz des Kontaktverbots seinen Geburtstag feiern. Deshalb hat er einen Corona-Geburtstagsplan für seine engsten neun Freunde erstellt – inklusive seiner Toilettengänge. Der Plan: Die Freundinnen und Freunde haben 30 Minuten Zeit, sich auf eine Parkbank zu setzen, die im Sicherheitsabstand zu seiner eigenen Parkbank steht. In dieser Zeit will er – wie auf einer "normalen" Party auch – quatschen und trinken. In seiner Einladung heißt es:

"Ich werde mich auf einer Parkbank niederlassen. Dem angehängten Plan könnt ihr entnehmen, wann der geplante Slot für euch ist. In diesen, vor Freude strotzenden 30 Minuten, hauen wir uns nen Drink rein und erzählen uns den neusten Gossip."
Einladung von Felix

Die Regeln zum Kontaktverbot nimmt Felix ernst, wie er sagt. Er ist aber auch der Meinung, dass man mit einem gesunden, und in Nordrhein-Westfalen erlaubten Abstand, "auch ein gesundes Bier trinken kann." Und weiter: "Natürlich habe ich mich gefragt, was wird wohl das Ordnungsamt davon halten, andererseits verstoße ich zu keinem Zeitpunkt gegen irgendeine Auflage." Sozialen Stress empfindet Felix nicht. "Für mich wäre es Stress, die Menschen, die mir wichtig sind, an meinem Geburtstag nicht zu sehen."

Timon ist ein introvertierter Mensch

Für Timon hat das Kontaktverbot kaum Auswirkungen auf seinen Tagesablauf. Er sagt:

"Für mich ist es wichtig, dass ich auch noch mich wahrnehme und merke, was für Bedürfnisse ich habe."
Timon

Dementsprechend hält er es mit seinem sozialen Kontakten so, wie schon vor der Corona-Pandemie. Die Dosierung muss seinen Bedürfnissen entsprechen.

Wir Menschen brauchen soziale Kontakte

Raffael Kalisch, ist Resilienzforscher. Resilienz bezeichnet die Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende psychische Beeinträchtigungen zu überstehen. Aktuell beschäftigt die Forschenden auf diesem Gebiet vor allem, welche Schutzmechanismen uns helfen, die Corona-Pandemie zu bewältigen. Soziale Kontakte über einen Video-Chat zu pflegen hält er für eine tolle Möglichkeit. Er gibt aber zu bedenken, dass die meisten Menschen wohl den "echten" Kontakt vermissen würden:

"Als Menschen sind wir aber soziale Wesen. Ich befürchte, dass sich für die meisten hier der negative Aspekt auswirkt: also dass ich Austausch bis hin zu dem körperlichen Berührungen nicht habe."
Raffael Kalisch, Resilenzforscher

Doch wer darauf keine Lust habe, der solle sich auch nicht zwingen. Denn: "Im Prinzip sind das dieselben Strategien, die man sonst auch anwendet bei der sozialen Interaktion. Aber jeder hat das Recht zu sagen: 'Ich habe nur diese Zeit und nur diese Energie.' Das Recht, seine sozialen Kontakte zu bestimmen, sollte man sich jetzt genauso nehmen, wie sonst auch."

Zum Kontaktverbot in Nordrhein-Westfalen:

  • In §12 der Corona-Verordnung NRW steht, dass "Zusammenkünfte und Ansammlungen im öffentlichen Raum von mehr als zwei Personen" untersagt sind. Auch das Picknicken und das Grillen auf öffentlichen Plätzen oder Anlagen ist untersagt.
  • Wie "Ruhr24" schreibt, sei es erlaubt, allerdings nicht empfohlen, die Begleitperson trotz des Kontaktverbots innerhalb eines Tages zu wechseln.

Was ist eigentlich Resilienz?

Resilienz besteht dann, wenn Individuen in großen psychischen oder körperlichen Stresssituationen ihre psychische Gesundheit aufrechterhalten oder diese nach einer kurzen Phase von Belastungssymptomen rasch wiederherstellen können. In der aktuellen Resilienzforschung geht es darum, herauszufinden, ob gängige Faktoren und Schutzmechanismen, die dabei helfen, eine persönliche Krise zu bewältigen auch bei der jetzigen Situation – der Bewältigung der Corona-Pandemie – helfen können. Hier könnt ihr an der Studie teilnehmen.