Pop ist oft ähnlich gewaltverherrlichend und frauenverachtend wie Hip-Hop. Das hat jetzt eine Studie aus den USA herausgefunden. Wir haben ein paar Beispiele für euch rausgesucht.

Für manche Hip-Hop-Künstler gehört es mehr oder weniger zum guten Ton, sich abfällig gegenüber Frauen zu äußern: "Provozier' mich nicht, ich vermöbel dich, denkst du, ich bin ein Punk? Ich hau deinen Kopf zu Klumpen." So heißt es zum Beispiel (frei übersetzt) im Rap-Song "How do we do" von The Game und 50 Cent (Hier geht's zum Songtext). 

Der Song ist einer von insgesamt 409 Top-Ten-Hits aus zehn Jahren US-Charts, den Wissenschaftlerinnen um Cynthia Frisby von der journalistischen Fakultät der University of Missouri-Columbia in Wisconsin analysiert haben. Sie haben sich alle Genres angeschaut: Pop, Hip-Hop/Rap, R&B, Alternative, Folk Country und Latin.

Analyse aller Genres

Die Forscherinnen haben in der Inhaltsanalyse der Songtexte nach verschiedenen Merkmalen gesucht: 

  • Gibt es Gewaltdarstellungen ? 
  • Wird Gewalt als gerechtfertigt angesehen, also als Mittel zum Zweck ?
  • Gibt es Kraftausdrücke wie shit, bitch, ass etc. ?
  • Gibt es misogyne Bemerkungen, in denen Frauen erniedrigt oder als bloße Objekte dargestellt werden, die allein der sexuellen Befriedigung dienen und damit austauschbar sind ?

Ergebnis: Die Texte im Hip-Hop sind zwar oft am obszönsten. In Sachen Gewaltdarstellungen nehmen sich Pop und Hip-Hop aber häufig nichts.

"Bei den Gewaltdarstellungen ist Musik aus dem Pop-Genre genau so krass wie Hip-Hop. Sie ist sogar noch ein bisschen fieser, weil subtiler."

Die Hip-Hop- und Rap-Musiker punkten ganz stark bei den Schimpfwörtern. Die Pop-Musiker machen das nicht, die sind da eher brav. Wenn es aber um den Inhalt geht, dann kommt das Thema Gewalt in Popsongs sogar häufiger vor als im Hip-Hop. Beide Genres sind die, die am meisten gehört werden.

Besser erst zwei Mal auf den Text schauen

Anke van de Weyer hat vier Popsongs rausgesucht, bei denen wir alle erst zwei Mal auf den Text schauen sollten, bevor wir das nächste Mal mitsingen. 

Wenn Rihanna (im Bild oben) und Eminem zum Beispiel ihren Song "Love The Way You Lie" singen (hier geht's zum Songtext), dann klingt das nach einem bittersüßen Liebeslied. In Wirklichkeit geht es aber um Missbrauch innerhalb einer Beziehung – und zwar nicht nur um körperliche Gewalt, sondern auch um psychischen Missbrauch.

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Ein weiterer Song, der sehr häufig missverstanden wird, ist "Pumped Up Kicks" von Foster The People (hier geht's zum Songtext). Der klingt sehr fluffig, es geht aber um nichts Geringeres als um einen Amoklauf. Um einen Jungen, der Gewaltfantasien gegenüber seinen Klassenkameraden hat und darüber fantasiert, wie er sie abknallt. Mark Foster, der Kopf von Foster The People hat in einem Interview mit dem Rolling Stone gesagt, dass er sich in den Kopf eines psychotischen Kindes versetzen wollte. Der Gegensatz zwischen der fluffigen Popmusik und dem harten Thema war Absicht, er habe die Menschen damit für das Thema sensibilisieren wollen.

Weniger offensichtlich ist das Ganze zum Beispiel beim Song "Latch" von Disclosure (hier geht's zum Songtext). Sänger Sam Smith säuselt über das Gefühl, sich Hals über Kopf in jemanden zu verlieben. Textlich wird das Ganze dann aber ziemlich schnell eher übergriffig. Frei übersetzt: "Wenn ich dich einmal bei mir hab, dann lass ich dich auch nicht mehr gehen."

Richtig unheimlich wird es dann beim Song "alt-J" von Breezeblocks (hier geht's zum Songtext). Oberflächlich könnte man den Inhalt so beschreiben: Ein Mann kommt nicht damit klar, dass seine Freundin mit ihm Schluss gemacht hat. Schaut man genauer hin, hat man allerdings ziemlich schnell einen Horrorfilm vor Augen: "Wenn sie wegrennen will, häng' Betonsteine an sie dran und ertränk' sie," sagt der Protagonist zu Beginn des Songs. Das Opfer wehrt sich, aber der Protagonist will sie nicht gehen lassen.

"Gewaltdarstellungen im Pop bekommen wir häufig gar nicht so mit - weil die Texte nicht so explizit sind und vor allem, weil der oft fröhliche Popsound über die Message hinwegtäuscht."
Anke van de Weyer, Deutschlandfunk Nova

Generell könne man Themen wie Missbrauch, Übergriffigkeit oder Gewalt im Pop natürlich thematisieren, sagt Anke van de Weyer. Bei aller Fluffigkeit versende sich die Message aber häufig.

Musik prägt Geschlechterrollen

Die Wissenschaftlerinnen der University of Missouri-Columbia beschreiben in ihren Ergebnissen sozialwissenschaftliche Theorien: Medien, etwa die Musik, sind wichtig bei der Ausprägung der Geschlechterrollen. Sie können zur Zementierung von Stereotypen beitragen, also wie sich zum Beispiel Männer oder Frauen in bestimmten Situationen zu verhalten haben. Die Objektivierungs-Theorie besagt, dass Mädchen, die immer wieder vor Augen und Ohren geführt bekommen, wie Frauen nur als Objekte dargestellt werden, irgendwann anfangen, sich selbst als Objekte zu sehen. Sie fangen also an, sich selbst von außen zu betrachten und zu bewerten.

Niemand will Musik verbieten oder zensieren, sagt Tina Kießling. Aber gerade die Eltern könnten ja schon mal ein bisschen genauer hinhören und im Zweifel mal nachfragen, ob das denn so ein gutes Frauenbild ist, was zum Beispiel Rihanna und Eminem in ihrem Song vermitteln.

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