Bei vielen Tierarten ist genau geregelt, wie sie sich innerhalb ihrer Gruppe gegenseitig vor nahenden Gefahren warnen. Forschende haben allerdings herausgefunden, dass es auch artübergreifende Warnungen zwischen Tieren geben kann.

Die 20 Zentimeter großen Rotschnabel-Madenhacker, die in den Savannen Ostafrikas zuhause sind, können sich kaum beklagen: Sie können den ganzen Tag lang auf dem Rücken großer Weidetiere wie Antilopen, Nilpferden oder Spitzmaulnashörnern sitzen und sich von deren Parasiten ernähren. Der Vogel kann mit seinem grellroten Schnabel über 100 Zecken pro Tag vertilgen.

Allerdings verbringen die Vögel laut Untersuchungen in Zimbabwe nur 15 Prozent ihrer Zeit damit, die Parasiten zu fressen. In der anderen Zeit picken sie in den Wunden der Tiere herum, um diese offen zu halten und sich davon ebenfalls zu ernähren. Keine echte Win-Win-Situation - dennoch können die Rotschnabel-Madenhacker für die Spitzmaulnashörnern überlebenswichtig sein, denn sie warnen die Nashörner mit ihren Rufen vor herannahenden Wilderern.

Vögel als Augen der Nashörner

Das haben zwei Wissenschaftler aus Australien und den USA herausgefunden, als sie die Beziehung der Spitzmaulnashörner und Rotschnabel-Madenhacker genauer untersucht haben. Das Ergebnis: Nashörner, die keine der Vögel auf sich sitzen hatten, haben herannahende Menschen nur zu etwa 23 Prozent bemerkt. Hatten sie Madenhacker auf ihrem Rücken sitzen, haben sie in jedem der untersuchten Fälle die sich nähernden Menschen registriert.

"Nashörner, die keinen Madenhacker auf ihrem Rücken hatten, haben nur zu etwa 23 Prozent einen sich nähernden Menschen bemerkt, während Nashörner mit Madenhacker einen sich nähernden Menschen immer bemerkt haben."
Mario Ludwig, Biologe

Nashörner können besser riechen als sehen, deshalb ist dieser Warnruf der Vögel für sie so wichtig. Wenn sich ein Mensch von der windabgewandten Seite an ein Nashorn heranschleicht, kann er sich ihm bis zu fünf Meter nähern, bevor das Tier ihn riecht.

Wird das Nashorn durch den Vogel gewarnt, dreht es sich in Richtung der windabgewandten Seite, um so seine Schwachstelle abzudecken.

Die Forschenden vermuten, dass die Rotschnabel-Madenhacker in einer relativ kurzen Zeitspanne gelernt hätten, dass die Nashörner für sie eine wichtige Nahrungsquelle darstellten, die es zu verteidigen gilt.

Pistolenkrebs und Wächtergrundel

Eine noch engere Beziehung spielt sich allerdings zwischen zwei Tieren unter Wasser ab: dem Pistolenkrebs und der Wächtergrundel. Der Pistolenkrebs ist ein etwa fünf Zentimeter großer Krebs, der in den tropischen Korallenriffen lebt. Eine seiner Scheren hat der kleine Krebs allerdings zu einer tödlichen Waffe umgebildet. Aus dieser wird bei Gefahr eine etwa drei Millimeter große, ultraheiße Blase gebildet, die dann mit einem Lichtblitz und einem Knall - lauter als der eines Düsenjets - implodiert.

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Diese Scherenpistole nutzt der Pistolenkrebs hauptsächlich für den Beutefang, denn allein der laute Knall kann kleine Fische, Garnelen oder Würmer betäuben. Doch der Pistolenfisch hat ein ähnliches Problem wie das Spitzmaulnashorn: Er ist fast vollständig blind.

Deshalb ist er mit dem eher unscheinbaren Fisch, der Wächtergrundel, eine Zweckgemeinschaft eingegangen. Ihre Aufgabe: Sie übernimmt für den Krebs das Sehen und warnt ihn vor Gefahren, indem sie ihre Schwanzflosse bewegt. Diese Bewegungen nimmt der Pistolenkrebs mit seinen sensiblen Antennen wahr und kann sich sofort in sein sicheres Versteck zurückziehen. Im Gegenzug schützt der Pistolenkrebs die Wächtergrundel mit seiner Scherenpistole vor anderen Feinden. Da der Schuss gezielt in die Richtung der Fressfeinde geht, scheint er der Wächtergrundel selbst nichts auszumachen.