Ob wir beim Shoppen, im Café oder im Hostel mit Du oder Sie angesprochen werden, ist weniger eine Frage unseres Alters als eine des Marketings. Und manchmal hängt es auch davon ab, ob wir im Laden oder im Netz unterwegs sind. Bei Ikea zum Beispiel. 

Beim dänischen Klamottenlabel "Jack and Jones" ist das Duzen von Kunden offizielle Vorgabe der Unternehmensleitung. Denn das Du schafft eine angenehme Atmosphäre für Leute wie uns, und das Label profitiert, weil wir uns leichter zum Kauf entschließen. 

"Letztendlich ist es vielleicht schon ein einfacherer Weg, die Sachen an den Kunden zu bringen, ja.“
Nikolai Waniek, 26 Jahre alt, ist Verkäufer und Filialleiter im Klamottenladen

Auch in den Läden von Starbucks, Puma oder Abercrombie & Fitch duzen die Verkäufer fast alle Kunden. Und zwar nicht nur uns 20- oder 30-Jährige, sondern alle. Auch bei Apple ist konsequentes Duzen Pflicht. Was für uns OK ist, führt bei Verkäufern und Kunden aber dann zu Irritationen, wenn es sich vom Sprachgefühl her nicht richtig oder sogar unhöflich anfühlt.  

"Das find ich selber als Verkäufer sehr unangenehm, weil man eigentlich Ältere eher siezt, das habe ich so gelernt."
Dieser Mann ist 44, unser Reporter Johannes trifft ihn zufällig bei seiner Umfrage auf der Straße. Noch bis vor ein paar Jahren war er Verkäufer bei Apple.

Anrede hängt von der Branche ab

Der Sprachwissenschaftler Horst Simon forscht zu den beiden Anredemöglichkeiten. Er sagt, dass sich das Du in geschäftlichen Zusammenhängen auf bestimmte Geschäftsgruppen beschränken läßt. Damit ist der allgemeine Trend zum Du also nicht überall bemerkbar. 

"Ich würde nicht erwarten, dass das genau so passiert, wenn Sie beim Anzuggeschäft sind oder beim Krawattenladen. Es ist wohl so, dass das nach Branchen sehr stark differenziert.“
Horst Simon, Professor für Sprachwissenschaften an der FU Berlin

Ob Unternehmen ihre Kunden Duzen oder Siezen hängt also auch von der Preislage und dem Image der Marke ab. Aber die Anrede muss dabei im Geschäft und dem Onlineshop beziehungsweise den Websites nicht einheitlich sein: Für Ikea zum Beispiel gilt das Prinzip nur teilweise. Auf der Webseite, im Katalog oder der Werbung werden wir als Kunden geduzt. Beim Besuch im Möbelhaus aber sprechen uns die Mitarbeiter mit Sie an.