Italien hat gewählt - und es ist einiges passiert. Rom und Turin bekommen eine Bürgermeisterin. Ein großer Erfolg für die 5-Sterne-Protestbewegung, eine herbe Niederlage für Regierungschef Matteo Renzi.

Es war kein schöner Morgen für den italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi. Denn nach den Kommunalwahlen am Vorabend steht fest: Sein Partei hat Rom und Turin verloren. Gerade Turin galt als sichere Bank für Renzi. Nur in Mailand hat sich Renzis Kandidat durchgesetzt.

Irgendetwas scheint Renzi aber auch geahnt zu sein. Denn er hat sich im Wahlkampf ziemlich zurückgehalten, sagt unser Korrespondent Jan-Christoph Kitzler. Immer wieder hat er betont: Diese Wahl wird auf lokaler Ebene entscheiden und hat nicht viel mit Regierungspolitik zu tun.

"Wenn die 5 Sterne in Rom und Turin gewinnen, dann ist das auch eine Protestwahl."
Jan-Christoph Kitzler, Korrespondent in Rom

Unmittelbare Folgen haben die Kommunalwahlen nicht für Matteo Renzi. Ernst wird es aber im Herbst. Dann plant Matteo Renzi ein Referendum über eine Verfassungsreform - und wenn das scheitert, will er zurücktreten. Und da kommt die Niederlage bei der den Kommunalwahlen äußerst ungelegen.

Die Wähler Virginia Raggis, der neuen Bürgermeisterin von Rom, sind begeistert. Gestern kam es in der italienischen Hauptstadt zu spontanen Straßenfesten. Ihre Wahl zeigt aber vor allem eins: Die Wähler sind frustriert, sagt Jan-Christoph Kitzler. Von den etablierten Parteien, aber auch vom Zustand Roms. So bleibt der Müll liegen und in einigen Regionen in der Peripherie funktioniert die Straßenbeleuchtung nicht. Für Virginia Reggi spricht, dass sie von außen kommt und keiner der etablierten Parteien angehört, das wiegt für viele Wähler offenbar auch ihre mangelnde politische Erfahrung auf. Wobei auch nicht unerwähnt bleiben darf: Die Wahlbeteiligung lag nur bei knapp über 50 Prozent

"Es gibt die Theorie, dass der Erfolg in Rom auch nach hinten losgehen könnte."
Jan-Christoph Kitzler, Korrespodent in Rom

Die 5-Sterne-Bewegung muss jetzt allerdings auf kommunaler Ebene liefern, nachdem sie im Parlament schon stärkste Einzelpartei ist. So ist Virginia Raggi als neue Bürgermeisterin von Rom jetzt auch gefordert. Und das könnte noch zum Problem für die 5-Sterne-Prostestbewegung werden. Denn wenn sich die Lage in der Hauptstadt nicht bald bessert, könnten sich viele Wähler sagen. Wie wollt ihr Italien regieren, wenn ihr schon mit Rom überfordert seid.