Kauft ein bestimmtes Produkt, dann tut ihr etwas Gutes für die Welt, weil das Geld in ein Projekt fließt, das den Regenwald rettet oder mit dem ein Baum gepflanzt wird. Klingt nach Ablasshandel für unser Konsumverhalten. Kann es so einfach sein?

Marken werben dafür, dass bei bestimmten Produkten ein Teil des Preises nicht komplett ins Unternehmen fließt, sondern für einen guten Zweck eingesetzt wird. Die Nachfrage nach solchen Produkten nehme zu, sagt Dominik Enste, Professor für Wirtschaftsethik an der TH Köln und Geschäftsführer der IW Akademie für integres Wirtschaften.

"Das hat viel damit zu tun, dass es insgesamt eine Wohlstandsentwickung gegeben hat und immer mehr Menschen sensibel dafür geworden sind und kritisch nachfragen."
Dominik Enste, Wirtschaftsethiker TH Köln und Geschäftsführer IW Akademie für integres Wirtschaften

Wir haben in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten enormen Wohlstand erwirtschaftet. Ein großer Teil der Bevölkerung muss beim Einkaufen nicht auf den Preis achten und kann es sich deshalb leisten, Produkte kritisch zu hinterfragen, erklärt der Wirtschaftsethiker.

Nachhaltige Produktionsmethoden bringen mehr

Allerdings hält Dominik Enste es für glaubwürdiger, wenn Unternehmen ihre Produktion nachhaltiger gestalten, um so Ressourcen zu schonen oder faire Löhne zu zahlen – anders als zum Beispiel eine Brauerei, die mit "Saufen für den Regenwald" wirbt. Mit jeder Kiste Bier würde ein Quadratmeter Regenwald gerettet werden, so die Werbung. Auch unsere Reporterin Rebekka Endler kann dieser Kaufanreiz wenig überzeugen. Schließlich würde sie nicht einfach mehr "saufen", um den Regenwald zu retten. Oder mehr Schokolade essen, um ein anderes Produkt zu nennen.

Dominik Enste bewertet solche Beispiele zwar als reine Marketingaktionen, aber sie seien nicht grundsätzlich schlecht. Wenn tatsächlich Gelder für den genannten Zweck in Projekte fließen und damit eine Verbesserung erreicht werde, sei das zumindest eine Win-Win-Situation. Ein erster Schritt – mehr nicht.

Bewegungen wie Fridays For Future oder der Dieselskandal hätten bei einigen Unternehmen dazu geführt, dass sie mehr im Sinne einer sozialen und ökologischen Verantwortung handelten und produzierten. Aktuell ließe sich das gut für Marketingzwecke einsetzen und damit auch das Image aufpolieren.

Ablasshandel fürs Fliegen

Bei aller Bewusstseinsveränderung stoßen wir bei manchen Dingen noch an Grenzen: Die Flugreisen sind in den letzten Jahren immer weiter angestiegen. Hier scheint die Bereitschaft für ethisches Verhalten noch recht gering zu sein. Diejenigen, die es sich finanziell leisten wollen, können eine CO2-Abgabe entrichten und ihr schlechtes Gewissen ein wenig beruhigen. Erinnert ein wenig an den florierenden Ablasshandel der Kirche im Mittelalter: "Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt."

Nur dass eine CO2-Abgabe nicht so viel bringt. Besser wäre es, wenn wir uns bewusst machen würden, welche Auswirkungen unser Verhalten hat – und deshalb vielleicht auf die ein oder andere Flugreise verzichten.