Bisher konnten Sparkassenkunden nur mit Android-Geräten kontaktlos zahlen. Bald geht das auch per iPhone oder iPad mit dem Zahlungssystem Apple Pay. Das hat allerdings einen Haken.

Gefordert hatte ihre Kundschaft es schon lange, jetzt haben die Sparkassen dem Druck nachgegeben. Noch im Jahr 2019 soll es möglich werden, mit Apple Pay zu zahlen, wenn man ein Konto bei der Sparkasse und eine Kreditkarte hat.

Apple Pay ist das hauseigene Zahlungssystem von Apple, das nur auf Apple-Geräten funktioniert. Seit Ende 2018 gibt es das auch in Deutschland. In der Bezahl-App hinterlegt man seine Kreditkarte, wobei die Kartendaten selbst weder auf Apple Servern noch auf den Geräten gespeichert sind, verspricht Apple. Der kontaktlose Zahlvorgang läuft dann über Near Field Communication (NFC).

Sieg für die Kunden, Kapitulation für die Sparkasse

Für unseren Netzreporter Michael Gessat ist das Zulassen von Apple Pay zwar ein Sieg aus Sicht der Sparkassen-Kundinnen und -Kunden, aus Sicht der Bank aber eher eine Kapitulation. Denn die hauseigenen Online-Banking-Apps konnten mit den aktuellen Standards und Nutzungsgewohnheiten nicht mithalten.

Dass es jetzt bald eine mögliche Zusammenarbeit von Apple und den Sparkassen geben könnte, ist erst seit ein paar Tagen bekannt. Entsprechende Spekulationen wurden von der Sparkasse bestätigt.

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Für Apple Pay ist die Zusammenarbeit mit den Sparkassen quasi ein Ritterschlag. Denn damit dürfte sich das kontaktlose Zahlen per Smartphone, iPad oder Apple Watch stark verbreiten. Die vergleichsweise kleinen Payment-Lösungen, die schon auf dem Markt sind, könnten so aus dem Wettbewerb fliegen.

An dieser Stelle kommt die EU ins Spiel. Denn Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager hat sich Apple Pay genauer angesehen. Sie ist selbst iPhone-Nutzerin und kritisiert, wie hartnäckig ihr auf dem iPhone die Apple-Pay-Funktion angepriesen werde. Zudem bemängelt sie einen gewissen Exklusivitäts-Anspruch. Denn mit Apple-Geräten soll das kontaktlose Zahlen vorerst auch nur mit Apple Pay funktionieren.

Apple Pay als exklusives Bezahlsystem auf Apple-Geräten

Das heißt: Kunden und Kundinnen mit Apple-Geräten brauchen dafür zwingend einen Account bei Apple Pay. Andere Bezahldienste wie Google Pay oder Paypal werden von Apple nicht integriert. Laut dem Konzern hat das Sicherheitsgründe.

Bei Apple Pay werden nämlich die Kreditkartendaten verschlüsselt übertragen, so das Unternehmen. Das bedeutet, dass nicht die echten Kreditkartendaten übertragen werden, sondern eine individuell erstellte, virtuelle Kartennummer, eine Art Token. Der ist auf einem isolierten Chip im Smartphone hinterlegt.

Den Zugang zu diesem Chip hat bislang aber nur Apple selbst. Das heißt, Apps von Drittanbietern wie der Sparkasse können darauf nicht zugreifen und können die Funktion deshalb nicht in die eigenen Online-Banking-Apps einbauen. Sie sind also gezwungen, ihre Dienste über Apple Pay anzubieten. Das ist auch der Grund, warum das kontaktlose Bezahlen dabei erstmal nur per Kreditkarte funktioniert, nicht aber mit einer Giro-Card (früher EC-Karte).

"Die EU-Kommission ist in solchen Dingen aber regelmäßig recht humorlos: Wenn sich da der Eindruck ergibt, das Ganze sei in Wirklichkeit doch eher ein Manöver, um die Konkurrenz auszubremsen, dann setzt es Strafen."
Michael Gessat, Netzreporter

Der EU-Wettbewerbsbehörde ist das ein Dorn im Auge. Deshalb wird jetzt die Einleitung ein Wettbewerbsverfahrens geprüft. Das würde dann klären, ob Apple damit eine Monopolstellung einnimmt. Sollte die EU-Kommision zum Ergebnis kommen, dass sich Apple damit eine Art Alleinstellung aufbaut, könnte das Unternehmen gezwungen werden, Apple Pay auch für andere Bezahl-Optionen zu öffnen, zum Beispiel die Nutzung von Paypal zu integrieren.