Der Denuvo-Kopierschutz soll besonders sicher sein. Doch jetzt wurde er schon eine Woche nach Veröffentlichung von "Resident Evil: Biohazard" geknackt.

Computerspiele sind ja schon lange keine Sache mehr, bei der ein paar Freaks ein bisschen Programmcode zusammenlöten und dann schauen, ob das Ergebnis den Spielern gefällt. Es läuft eigentlich wie in der Filmbranche: Große Studios mischen als Publisher mit, die Entwicklungskosten können wie bei einem Hollywood-Blockbuster dreistellige Millionenbeträge überschreiten, Tendenz steigend.

Diese Kohle muss natürlich wieder eingespielt werden - und genau wie bei Filmen ist dabei die Resonanz direkt nach dem Release der alles entscheidende Faktor. Da ist es höchst peinlich, wenn ein potenzieller Kassenschlager schon nach einer Woche als Raubkopie im Netz kursiert. Genau das ist gerade bei "Resident Evil: Biohazard" passiert.

Dabei ist das Spiel sogar mehrfach kopiergeschützt. Zum einen per DRM-, also Digital-Rights-Management-Sicherungsverfahren - über die Plattformen Steam oder Origin. Dabei wird online abgecheckt, ob die Kopie legal ist. Dieser Check lässt sich allerdings auf verschiedene Weise aushebeln.

Um das noch einmal zu erschweren, gibt es sogenannte Anti-Tampering-Schutzsoftware, wie das System des Anbieters Denuvo. Die gilt eigentlich als technisch beste Lösung, am Anfang hieß es sogar, sie sei nicht zu knacken. Viele Spielepublisher setzen auf dieses Verfahren. Das der Denuvo-Schutz jetzt bei Resident Evil nach so kurzer Zeit geknackt wurde, ist ein neuer Negativ-Rekord.

Es stellt sich also die Frage, ob auch dieser Kopierschutz schon bald der Vergangenheit angehören könnte. Die Website Techdirt titelt schon "RIP Denuvo", denn im vergangenen August hatte es mit "Doom" erstmals ein damit geschütztes Spiel erwischt, kurz darauf auch "Rise of the Tomb Raider". Der Denuvo-Schutz funktioniert allerdings nicht wie frühere Verfahren universell für alle Spiele. Es braucht also mehr als einen kleinen Patch, einen Softwareflicken, oder einen Crack-Code, der bestimmte Kopierschutz-Pogrammfunktionen aushebelt oder umgeht.

Wettlauf gegen die Zeit

Bei Denuvo werden schon während der Entwicklung eines Spiels an verschiedenen Stellen des Programmcodes und des Spielverlaufs Mechanismen eingebaut, die die Echtheit der Kopie checken. Wer Denuvo cracken will, muss also bei jedem Spiel erst einmal die kopiergeschützten Stellen finden - so hat das auch der Chef der Firma in einem Interview erklärt. Spiele mit Denuvo-Schutz können geknackt werden, sollen es Crackern aber möglichst schwer machen, das zu tun. So will man Zeit schinden, damit zumindest die erste Phase nach dem Verkaufsstart aus Sicht der Publisher ungestört abläuft.

Top-Programmierer gegen Games-Publisher

Und das hatte ja bislang auch einigermaßen geklappt. Dass jetzt die gecrackte Version in Torrent-Tauschbörsen kursiert, ist der Gau für den Spielehersteller Capcom und auch für Denuvo. Denn der Schutz kostet die Hersteller viel Geld, weswegen einige Publisher vergangenes Jahr den Kopierschutz entfernt hatten, nachdem er geknackt worden war. Für die Macher des neuesten Resident-Evil-Spiels dürfte es also teuer werden. Eine Gegenstrategie sind die angekündigten Add-Ons für das Spiel. Mit deren Auslieferung könnte das Studio den Schutz updaten und wieder wirksam machen.

"Ich denke schon, dass es eine Delle bei den Einnahmen der Publisher geben wird."
Netzautor Michael Gessat

Nach Einschätzung der Denuvo-Macher stecken hinter der Attacke absolute Top-Programmierer mit möglicherweise universitärem Hintergrund. Ruhm und die Anerkennung, die so ein gelungener Crack bringt, soll das Hauptmotiv sein. Außerdem lässt sich auf einschlägigen Crack- und Torrentseiten auch Werbung schalten - oder Malware verteilen.