Dermatologisch getestet? Na dann ist ja alles gut. Oder doch nicht? Zu Cremes, Make-up und Lotionen gibt es kaum Studien. Die Angaben über Wirkstoffe und deren Verträglichkeit haben oft null Aussagekraft. Trotzdem vertrauen wir vielen Produkten blind.

Die Redaktion von Zeit Online hat sich in einer Serie über Pflegeprodukte viele Studien angesehen und genauer auf die Inhaltsstoffe von Kosmetika geguckt. Also: Wie viel Forschung steckt da eigentlich drin? "Die Wahrheit herauszufinden, ist schwierig", schreibt Saskia Gerhard. Sie hat festgestellt, dass es kaum Studien zu Kosmetika gibt, die unabhängig entstanden sind.

Was bedeutet "Dermatologisch geprüft"

Tests mit zehn Leuten seien keine richtige Studie, trotzdem werden sie so durchgeführt, sagt sie im Interview. Schön wäre es, wenn diese Studien zumindest weitgehend unabhängig wären. Oft würden die Studien aber von Unternehmen in Auftrag gegeben: "Man kann aber davon ausgehen, dass der Hersteller ein Interesse hat, das sich die Studie auf sein Produkt gut auswirkt", mahnt Saskia Gerhard. Die Frage ist, "ob da vielleicht nur Prüfmethoden genutzt wurden, die ein gutes Ergebnis zum Vorschein bringen."

Zutaten: Hyaluronsäure oder Urea

Inhaltsstoffe wie Hyaluronsäure sind in vielen Anti-Aging-Produkten enthalten. Sie soll die Haut glättend und Falten reduzieren. "Das ist im Grunde chemisch aber nicht möglich", sagt Saskia Gerhard. Die Moleküle der Hyaluronsäure seien zu groß, um in die Haut einzudringen. Deshalb wirkt der Inhaltsstoff auch gar nicht an der Stelle, die in der Werbung genannt wird. Anders ist das zum Beispiel bei Urea - ein Harnstoff. Der kann tatsächlich gut für die Haut sein - muss es aber nicht. Das kommt darauf an, wie empfindlich wir sind. Also ausprobieren.

"Bei einer allergischen Reaktion kann der Hersteller theoretisch immer noch 'dermatologisch geprüft' auf die Verpackung schreiben."

Der Effekt vieler Kosmetikprodukte sei häufig verschwindend gering. Trotzdem geben wir so viel Geld dafür aus. Gut 30 Milliarden Euro im Jahr - allein in Deutschland. Dabei wissen wir gar nicht genau, ob die Produkte wirklich wirken oder unserer Haut vielleicht sogar schaden. Aber Kosmetika werden gut vermarktet und der erste Eindruck überzeugt meistens, meint Saskia Gerhard. "In dem Moment fühlt es sich halt gut an." Wenn wir meinen, da hat sich was getan auf der Haut, dann reicht uns das also meistens schon völlig. Wer sich unsicher ist, sollte aber nicht zögern, einen Hautarzt zu fragen.

Facebook-Fragen an Saskia Gerhard:

  • Warum sind Biohautpflegeprodukte aus dem Drogeriemarkt so günstig?
    Saskia Gerhard empfiehlt, nicht so sehr auf Bio oder den Preis zu achten, sondern auf Label von Natrue oder dem Deutschen Allergie- und Asthmabund. Und Achtung: Bio ist bei Kosmetikprodukten kein geschützter Begriff.
  • Was sind endokrine Disruptoren (zum Beispiel UV-Filter in Sonnencremes)? "Das sind Substanzen, die auf unseren Körper wirken wie Hormone", erklärt Saskia Gerhard. Ihre Wirkung ist aber umstritten. Apps wie Tox Fox oder Codecheck listen Inhaltsstoffe ganz gut auf. Trotzdem ist es besser sich darüber hinaus zu informieren.

Hilft Anti-Falten-Creme wirklich? Schadet Alu im Deo? Was bedeutet "Hautverträglichkeit geprüft". Wir beantworten eure Fragen in der Redaktionskonferenz ab 18 Uhr. Was wollt ihr wissen?

Posted by DRadio Wissen on Donnerstag, 25. Februar 2016

Mehr dazu im Netz: