Wenn wir im Netz zu Krankheiten recherchieren, sollten wir mit unserem Arzt darüber reden. Das empfiehlt eine neue Studie der Bertelsmannstiftung.

Wir alle kennen die Situation, haben Kopfschmerzen oder Bauchschmerzen, tippen unsere Beschwerden bei Google ein und zack, schon bekommen wir als Antwort eine lange Liste mit denkbar schlimmen Krankheiten, die uns in Panik versetzen. Oder mit guten Tipps, was wir gegen Zipperlein tun können. Eine Studie der Bertelsmannstiftung hat gerade herausgefunden, dass inzwischen jeder Zweite nach Infos zu Krankheiten im Netz sucht. Die Stiftung wollte auch wissen, wie Ärzte damit umgehen.

Dabei kam heraus: Viele wollen sich allgemein über Gesundheitsrisiken und Krankheiten informieren. Vor allem dann, wenn sie die Diagnose für eine schwere Krankheit bekommen. Wikipedia und andere Onlinelexika sind dabei die häufigsten Quellen, aber auch kommerzielle Gesundheitsseiten wie Netdoktor und Apotheken Umschau werden gerne zurate gezogen. Die Studie hat auch herausgefunden, dass die Mehrheit der Befragten zufrieden ist mit den Informationen, die das Netz ausspuckt.

"Ein Drittel der Ärzte hatten auch schon mal Situationen, in denen sie das geärgert hat."
Verena von Keitz, Deutschlandfunk Nova

Nach einer Studie von 2016, ebenfalls von der Bertelsmannstiftung, haben 80 Prozent der befragten Ärzte angegeben, dass sie sich zwar prinzipiell darüber freuen, wenn Patienten sich anderweitig informieren. Allerdings hatte ein Drittel der Ärzte auch schon Situationen, in denen sie sich über die Internetrecherche der Patienten geärgert haben. 

Der Grund für den Ärger: Die Patienten kämen dann oft mit unangemessenen Ansprüchen und Erwartungen in die Praxis. Viele glauben auch, dass es Patienten verwirrt, wenn sie sich selbst informieren. Auch die aktuelle Untersuchung zeigt: 14 Prozent der Ärzte raten ihren Patienten sogar davon ab.

Patienten können Informationen über Krankheiten nicht gut einordnen

Die Studie hat tatsächlich gezeigt, dass es vielen medizinischen Laien schwerfällt, einzuschätzen, wie gut und fundiert Gesundheitsseiten im Netz sind. Sie glauben zum Beispiel oft, dass eine Information richtig ist, wenn sie mehrfach im Netz zu finden ist oder weil sie oben bei den Google-Ergebnissen auftaucht. Und das ist problematisch, denn gerade beim Thema Gesundheit gibt es jede Menge Hypes, die verbreitet werden ohne wissenschaftliche Grundlage.

Ein Beispiel ist Vitamin D. Viele Menschen glauben, sie müssten Präparate einnehmen, um an ausreichend Vitamin D zu kommen. Und das wird auch auf vielen Seiten im Netz als Allheilmittel bezeichnet. In Wirklichkeit ist es nur für eine sehr kleine Zahl an Patienten sinnvoll. 

Viele Ärzte berichten aber, dass immer mehr Patienten entsprechende Vitamin-D-Bluttests einfordern, die in der Regel völlig überflüssig sind, aber teuer und so dann auch das Gesundheitssystem belasten.

Hier findet ihr gute Informationen:

Und dann müssen Ärzte vielleicht auch einfach akzeptieren, dass sie inzwischen die Aufgabe haben mit den Patienten offen darüber zu reden, welche Informationen es gibt und wo sie gute Info-Angebote finden. So sehen das übrigens auch die Macher der Studie.