Bei Krankheiten kommt es meist zu einer Diagnose, wenn sich schon Symptome zeigen – zum Beispiel bei Krebs. Forschende der Harvard-Universität konnten bei zwei Erkrankten nun zurückdatieren, wann die ersten Krebszellen bei ihnen jeweils entstanden sind. Bislang ist das der Forschung nicht gelungen. Zur Früherkennung eignet sich die Methode aber leider nicht.

Sie waren jeweils 34 und 63 Jahre alt, als sie die Diagnose "Krebs" erhalten haben. Die Krankheit ist allerdings schon Jahrzehnte bevor sie erkannt wurde, in ihnen entstanden und seitdem gewachsen.

Forschende der Harvard-Universität haben jetzt herausgefunden, in welchem Alter sich die ersten Krebszellen bei zwei Krebspatienten gebildeten haben. Mit ihrer Studie konnten Forschenden zum ersten Mal den Ursprung einer Krebserkrankung zurück berechnen.

Demnach ist der Krebs der 34-jährigen Person schon im Alter von 9 Jahren entstanden. Bei dem 63-jährigen Krebspatienten gehen die Forschenden von ungefähr 19 Jahren aus.

"Mutationsstammbaum" analysiert

Für die Zurückdatierung haben die Forschenden eine Art Mutationsstammbaum der Krebszellen untersucht. Die Idee dahinter: Im Laufe unseres Lebens teilen sich unsere Zellen immer wieder: Sie produzieren quasi etliche Tochterzellen.

Bei jeder Teilung gibt es die Chance, dass sich eine Mutation ins Erbgut der Zelle einschleicht. Diese Mutation wird auch weitergegeben, wenn sich die Zelle weiter teilt. Die Tochterzellen entwickeln wiederum eigenen Mutationen.

Die meisten dieser Mutationen sind harmlos, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Veronika von Borries. Unter ihnen kommen manchmal aber auch gefährliche Mutationen vor – wie eben beim Krebs. Der entsteht nämlich dann, wenn die Mutation die Teilungskontrolle in der Zelle deaktiviert.

"Nicht jede Zelle, die eine Krebs-Mutation enthält, wird sich auch so stark vermehren, dass sie zu einem Problem wird. Unser Körper ist eigentlich ganz gut darin, kaputte und falsch arbeitende Zellen zu stoppen und zu zerstören."
Veronika von Borries, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Aus früheren Studien wussten sie, in welcher Geschwindigkeit sich menschliche Zellen teilen können und wie oft dabei statistisch eine Mutation vorkommt. Das heißt: Sie konnten dadurch zurückrechnen, wann eine bestimmte Mutation zum ersten Mal entstanden ist.

Mutation eines bestimmten Gens

Dafür war auch die Krebsart der Erkrankten entscheidend. Denn: Beide haben eine Form von Blutkrebs, die selten vorkommt und von dem Forschende wissen, dass der Blutkrebs auf die Mutation eines bestimmten Gens in den Zellen des Knochenmarks zurückgeht. Es ist auch bekannt, dass sich der Krebs vergleichsweise langsam verbreitet.

Andere Krebsarten dagegen entstehen durch eine Kombination von Mutationen und sind deshalb komplexer. Oft ist auch unbekannt, wo der Fehler im Erbgut entsteht. Die Studie kann daher nicht als Früherkennungstest für Krebs angesehen werden. Sie ist vielmehr ein wissenschaftlicher Beweis, dass der Ursprung bestimmter Krebsarten überhaupt zurückdatiert werden kann.