Im Krieg werden auf ukrainischer Seite auch Hobby-Drohnen genutzt, um zum Beispiel Bewegungen des russischen Militärs zu erkennen. Dabei helfen Privatleute mit ihren Drohnen; sie liefern Geodaten sowie Fotos. Doch für die Pilotinnen und Piloten kann das gefährlich sein.

Die Idee auch Hobby-Drohnen zu nutzen hatte laut Medienberichten das ukrainische Verteidigungsministerium. Kurz nach dem Überfall russischer Truppen auf die Ukraine am 24. Februar soll das Ministerium auf Facebook Privatleute, die Drohnen besitzen, dazu aufgerufen haben, diese zur Verfügung zu stellen oder sich zu melden, um bei der Aufklärung zu helfen. Das schreibt das Portal ZDnet, das über Wirtschaftstechnologie berichtet.

Hobby-Drohnen sollen Fotos und Geodaten liefern

Der Aufruf hatte Erfolg. "Allein ein einzelner Händler aus Kiew hat angeblich rund 300 Drohnen für diesen Zweck zur Verfügung gestellt", sagt unser Netzreporter Andreas Noll. Hilfe kommt wohl auch aus dem Ausland. So hat eine private Gruppe von Finnen Geld für 140 Drohnen gesammelt, die Geräte gekauft und in die Ukraine gebracht, heißt es auf Drone-Zone.de.

Die Hobby-Drohnen sollen die Aufklärung unterstützen, so Andreas Noll. Das ist möglich, denn auch einfache Hobby-Drohnen können durchaus mehrere hundert Meter Distanz überbrücken und von dort hochauflösende Live-Bilder funken.

"Die Hobby-Drohnen sollen vor allem bei der Aufklärung helfen. Beim Erkunden von gegnerischen Stellungen oder Konvois."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Neben Fotos senden die Drohnen auch Koordinatoren, sodass Militär-Konvois entdeckt werden können.

Die Drohnen können aber auch zivil genutzt werden. Zum Beispiel, um bei Such- und Rettungsaktionen zu unterstützen. Auch dann sind Fotos und Geodaten wichtig.

Die Pilot*innen bringen sich in Gefahr

Aber Fachleute warnen vor den Risiken für die Pilot*innen der Drohnen. Denn anders als Militär-Drohnen sind Hobby-Drohnen kaum gesichert. Das russische Militär kann den Standort herausfinden und die Personen, die die Drohnen steuern, unter Beschuss nehmen.

"Der Gegner, in diesem Fall die russischen Streitkräfte kann den Standort des Operators herausfinden und die Menschen dort dann angreifen."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

"Wenn man den chinesischen Marktführer für Consumer-Drohnen, DJI, nimmt, dann hat der Hersteller seit viereinhalb Jahren sogar ein eigenes Drohnen-Erkennungssystem im Angebot", sagt Andreas.

Das System heißt Aeroscope. Damit sollen zum Beispiel Hobby-Drohnen in der Nähe von Flughäfen erkennbar und identifizierbar sein, um Kollisionen mit startenden Flugzeugen zu verhindern. Mehr Infos dazu liefert das Portal Drone-Zone.de.

Ob das System Aeroscope auch von Militärs genutzt wird, ist unklar. "Entsprechende Warnungen gibt es jedenfalls im Netz", sagt Andreas Noll. Außerdem bestätigte ein Sprecher der chinesischen Firma DJI gegenüber der Nachrichtenagentur AP, dass man Aeroscope auch nach Russland verkauft hat und dass es in der Ukraine bislang nicht deaktiviert wurde, so berichtet es Stern.de.

Hobby-Drohnen werden bereits genutzt

Hobby-Drohnen werden bereits in der Ost-Ukraine, im Donbass genutzt. Nicht nur zur Aufklärung. Dort stehen sich seit 2014 Separatisten und ukrainische Regierungstruppen gegenüber. "Vor zwei Jahren berichteten Reporter von Radio Free Europe in einer Reportage, dass beide Seiten damit experimentiert hätten, Sprengstoff in das innere der Drohne zu platzieren", sagt Andreas. Die Drohnen sollen dann zu Explosionen innerhalb der feindlichen Stellungen führen. Bei den ukrainischen Streitkräften, so hieß es in dem Beitrag, sei dieses Konzept dann aber nicht weiterverfolgt werden.

  • Kurz und Heute
  • Moderator:  Till Haase
  • Gesprächspartner:  Andreas Noll, Deutschlandfunk Nova