Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine spielt sich auch im Netz ab. Dabei geht es um Inhalte, aber auch um die Kontrolle über Internet-Knotenpunkte und Mobilmasten. Denn wer die Infrastruktur beherrscht kann die Kommunikation noch "besser" überwachen. Mancherorts läuft das Internet ab sofort über russische Anbieter.

Betroffen ist zum Beispiel die Hafenstadt Cherson im Süden der Ukraine, sie wurde von Putins Truppen im Zuge des russischen Angriffskriegs erobert. Als Folge wurde der Internetverkehr umgeleitet. Die Menschen in Cherson sind ab sofort im russischen Internet – nicht mehr im ukrainischen. "Und das hat erhebliche Folgen", sagt unsere Netzreporterin Martina Schulte.

Russland will kontrollieren und überwachen

Die rund 280.000 Einwohner*innen der Hafenstadt Cherson sowie alle, die im Umland leben, sind damit nun der russischen Internetregulierung, Überwachung und auch Zensur unterworfen. Eine Kontrolle, die umfassend ist. Ebenso können die Menschen nicht mehr unabhängige internationale Medien ohne weiteres online nutzen.

Das zumindest beklagen ukrainische Stellen in einem aktuellen Artikel im Tech-Magazin Wired. Der Datenverkehr wird bereits seit vergangenem Monat durch Russland geroutet, das berichtete zum Beispiel Spiegel Online.

"Das russische Überwachungssystem kann E-Mails und Textnachrichten ausspionieren; es kann im Prinzip die komplette Kommunikation überwachen."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Russland kann problemlos die eigene Kreml-Propaganda verbreiten. Außerdem ist die Kontrolle über das Internet auch wichtig, um Messenger-Nachrichten von Gegnern und möglichen Aufständischen abzufangen. Die Kontrolle über die Internet-Infrastruktur kann kriegswichtig sein, so Martina.

Der russische Internetanbieter Miranda Media übernimmt

Statt dem ukrainischen Provider Khersontelekom ist nun eine russische Firma am Start. Laut Wired wurde für das Umstellen Khersontelekom angewiesen, die Internet-Verbindungen über Russland zu leiten oder ganz abzuschalten. Der Vorgang selbst ist relativ simpel, so Martina. Die ukrainischen Anbieter mussten quasi nur hier und da was umstöpseln. Währenddessen fiel das Internet für etwa eine Stunde aus. "Als das Netz dann wieder da war, sah alles auf den ersten Blick aus wie früher, lief aber hinter den Kulissen über Russland", sagt Martina.

Und zwar über den russischen Anbieter Miranda Media, ein Telekom-Unternehmen auf der russisch besetzten Krim. Miranda Media ist eine Tochterfirma des russischen Providers Rostelecom. Das erfolgreiche Umschalten wurde von russischen Staatsmedien stolz verkündet. Neben Cherson gehört auch Saporischschja und andere Teile von Luhansk und Donezk mittlerweile zum russischen Netz. Das wurde auch von unabhängigen Quellen bestätigt, so Martina.

"Wer die Hoheit über den Datenverkehr hat, kann auch die verfügbaren Inhalte entsprechend filtern und kontrollieren, was im Netz passiert."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Neben dem Internet sind auch der Mobilfunk sowie das Telefonnetz betroffen. "Da hat sich die Ländervorwahl geändert. Das ist jetzt +7 für Russland statt +380 für die Ukraine", sagt Martina. Damit wolle Russland auch demonstrieren, dass es langfristig die Gebiete besetzen will. Russische Staaten haben zugleich begonnen, SIM-Karten mit russischen Telefon-Nummern auszugeben. "Das soll die Menschen in den besetzten Gebieten der Ukraine zusätzlich ins russische Netz zwingen", sagt Martina.

  • Moderatorin:  Diane Hielscher
  • Gesprächspartnerin:  Martina Schulte, Deutschlandfunk Nova