Bei Informationen über den Krieg in der Ukraine geht das britische Verteidigungsministerium offensiv vor und veröffentlicht Updates der britischen Geheimdienste auf Twitter. Andere Länder sind da zurückhaltender.

Die britischen Geheimdienste zeigen sich auf Twitter gerade ziemlich aktiv: Das Verteidigungsministerium postet auf seinem Account täglich ein Update über die Informationen der britischen Geheimdienste zum Krieg gegen die Ukraine.

Das britische Verteidigungsministerium hat mit den Updates der Geheimdienstinformationen sogar schon ein paar Tage vor Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine angefangen. In den Posts finden sich Folien, die Analysen und Geschehnisse zusammenfassen oder Lagekarten.

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Es sind eher Endauswertungen, die für die Öffentlichkeit freigegeben sind als wirklich exklusive Informationen. Trotzdem scheint das britische Verteidigungsministerium über seine Geheimdienste im Krieg gegen die Ukraine so offensiv Informationen nach außen zu tragen wie kein anderes Land. Der Bundesnachrichtendienst (BND) zum Beispiel beziehungsweise die Bundesregierung halten sich wesentlich mehr zurück.

Öffentlichkeitsarbeit gegen russische Propaganda

Die aktive Informationsstrategie Großbritanniens soll der russischen Propaganda entgegenwirken, sagt Gerhard Conrad, der 30 Jahre lang für den Bundesnachrichtendienst gearbeitet hat und als einer der erfahrensten Geheimdienstdiplomaten Deutschlands gilt.

Das zeigt sich auch daran, aus welcher Perspektive die Meldungen des britischen Verteidigungsministeriums auf Twitter geschrieben sind: Der Blick ist meistens auf Russland ausgerichtet. Um die Verluste, Rückschläge oder Probleme der Ukraine geht es kaum bis gar nicht.

"Das Ganze hat einen klaren politischen Zweck: Man möchte die Lufthoheit über den politischen Stammtischen nicht der russischen Informationspolitik überlassen, sondern dem etwas entgegensetzen."
Gerhard Conrad, ehemaliger Geheimdiplomat bei Bundesnachrichtendienst

Für Großbritannien ist die Ukraine ein freundschaftlich verbündeter Staat, erklärt der ehemalige BND-Agent. Das Land unterstützt die Ukraine mit Ausrüstung und Informationskampagnen wie der auf Twitter.

Die Haltung des BND

Das heißt nicht, dass die Geheimdienste anderer Länder weniger aktiv sind oder ihnen die Informationen fehlen. Der ehemalige BND-Agent vermutet, dass die USA wahrscheinlich noch mehr geheime Informationen haben würden als die Briten, weil die USA breiter aufgestellt sind. Nur gibt nicht jedes Land die Informationen gleichermaßen weiter.

Die Entscheidung dafür liegt bei der jeweiligen Regierung. Deutschland hat sich zum Beispiel für Zurückhaltung entschieden und hält sich eher bedeckt. "Der BND selber sagt nichts. Wenn, dann sagt die Bundesregierung etwas. Und wenn die nichts sagt, dann sagt der BND auch nichts", so Gerhard Conrad.

Unser Bild zeigt das Gebäude des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6 in London.