Der russische Angriffskrieg in der Ukraine zerstört Städte, vertreibt und tötet Menschen. Welche Folgen dieser Krieg für Lebensgrundlagen wie Wasser, Boden und Luft hat – für die ukrainische Bevölkerung und darüber hinaus – schildert die Umweltökonomin Sarah Fluchs.

Bewaffnete Konflikte haben immer Umweltfolgen: Regionen werden unbewohnbar, Grundwasser wird verschmutzt, Boden wird durch Kampfmittel oder ausgetretene Chemikalien verseucht.

Nach dem Vietnamkrieg, in dem die USA das Kampfmittel Agent Orange zur Entlaubung des Dschungels einsetzten, wurde auf Initiative der Sowjetunion die ENMOD-Konvention der Vereinten Nationen beschlossen. Das Übereinkommen untersagt, dass Natur im Krieg als Waffe missbraucht wird, erklärt Umweltökonomin Sarah Fluchs vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW).

"Das Völkerrecht verbietet umweltschädigende Kriege."
Sarah Fluchs, Umweltökonomin

1976 wurde es durch die UN-Generalversammlung verabschiedet – unter den 78 Vertragsparteien sind auch Russland und die Ukraine. Per Völkerrecht sind damit Eingriffe in die natürliche Umwelt verboten. Auch, wenn dieses Übereinkommen in jedem Krieg gebrochen wird.

Viele Flächen nicht mehr nutzbar

So können landwirtschaftliche Flächen durch einen Krieg nicht für den Anbau genutzt werden, aus vielerlei Gründen: weil sie bombardiert wurden, weil Zuwege mit Landminen belegt wurden, Traktoren umverwendet werden müssen oder weil Treibstoff oder Strom fehlen. Ebenso fehlen durch Krieg, Vertreibung und Flucht auch Arbeitskräfte.

Sarah Fluchs bilanziert, was es bedeutet, wenn landwirtschaftliche Flächen in der Ukraine für Jahre nicht nutzbar sind: Weizen verteuert sich, Agrarprodukte wie Sonnenblumenöl oder Soja werden knapp.

"Diese Exporte gehen hauptsächlich in Länder in Nordafrika und im Mittleren Osten. Und eine Nahrungsmittelknappheit kann wiederum die politische Stabilität in diesen Regionen gefährden."
Sarah Fluchs, Umweltökonomin am Institut der deutschen Wirtschaft

Boden und Wasser werden durch Kriegshandlungen verseucht. Zum Beispiel weil Industrieanlagen bombardiert werden oder aber weil – wie in der Bergbauregion im Donbass – Minen, in denen nicht mehr gearbeitet wird, überfluten, wodurch das Grundwasser verseucht wird.

Extreme CO2-Emissionen

Enorm sind auch die CO2-Emissionen in einem Krieg: Nach Auskunft der Umweltökonomin verbraucht ein russischer T-72 Panzer 250 Liter Diesel pro 100 Kilometer – und zwar auf befestigten Straßen. Ist das Gelände unwegsam, geht der Verbrauch nach oben.

"Industrieanlagen wie Chemiewerke sind oft ein Ziel von Bombardierungen. Ein Beispiel dafür ist das Chemiewerk in der Nähe der umkämpften Stadt Sumy im Nordosten der Ukraine. Dort trat laut Behörden Ammoniak aus, nachdem das Werk beschossen wurde. Ammoniak ist ein hochgiftiges Gas."
Sarah Fluchs, Umweltökonomin, Institut der deutschen Wirtschaft

Krieg schädigt und verbraucht die natürlichen Ressourcen für Jahrzehnte, bilanziert Sarah Fluchs.

Sarah Fluchs ist Economist für Umwelt, Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit am Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. Ihren Vortrag mit dem Titel "Wie Kriege die Umwelt schädigen" hat sie am 29. März 2022 für den Hörsaal gehalten.