Die Türkei plant den Einsatz von Bodentruppen in Libyen. Dabei geht es Recep Tayyip Erdoğan auch um die Rohstoffe des Landes.

Recep Tayyip Erdoğan plant Bodentruppen nach Libyen zu entsenden. Das türkische Parlament soll am Donnerstag, den 02.01.2020, in einer Sondersitzung darüber beraten. Der türkische Präsident will die international anerkannte Regierung in Tripolis in ihrem Kampf gegen den Milizenführer Chalifa Haftar unterstützen. Erdoğans militärische Pläne zeigen, dass ihm dafür jedes Mittel recht sei, sagt Isabel Gotovac, unsere Korrespondentin für die Region.

"Damit hat die türkische Regierung klar gemacht, dass sie bereit ist zum Äußersten zu gehen, um die Regierung in Tripolis an der Macht zu halten."
Isabel Gotovac, Korrespondentin für Nord-Afrika

Durch eine türkische Militärintervention könnte sich die ohnehin schon komplizierte Lage in Libyen weiter zuspitzen. Die Türkei verfolge dabei auch geostrategische Interessen, sagt unsere Korrespondentin. Libyen hat die größten Erdölreserven Afrikas.

"Es geht da nicht nur um Hilfe für einen guten Freund. Wie so oft geht es auch um geostrategische und wirtschaftliche Interessen. Rohstoffe sind ein wichtiges Stichwort."
Isabel Gotovac, Korrespondentin mit Sitz in Kairo

Einer Reihe von Ländern führt in Libyen einen Stellvertreterkrieg, sagt sie. Während die Vereinigten Arabischen Emirate, Ägypten, Russland, Frankreich und Saudi-Arabien die Milizen von Chalifa Haftar unterstützen, stehen die Türkei und Katar auf der Seite der Einheitsregierung.

"Es ist kein lokaler Bürgerkrieg mehr, es ist ein Konflikt mit vielen Parteien, und das macht das Ganze undurchsichtiger."
Isabel Gotovac, Korrespondentin mit Sitz in Kairo

Ende November 2019 hatte Erdoğan mit dem Ministerpräsidenten der Regierung der Nationalen Einheit, Fayiz as-Sarradsch, bereits ein Militärabkommen geschlossen. Darin wurde vereinbart, dass Soldaten und Polizisten zu Trainings- und Ausbildungszwecken ins jeweils andere Land geschickt werden.

Erdgasfelder im Mittelmeer

Die Kooperation der beiden Länder geht noch darüber hinaus: Die Türkei und Libyen haben ebenfalls im November 2019 ihre Seegrenzen neu definiert – ohne Einverständnis der anderer Mittelmeerstaaten. Auf diesem Weg beansprucht die Türkei Gebiete nahe der griechischen Insel Kreta. Dort werden reiche Erdgasvorkommen vermutet.

In Libyen herrscht seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi 2011 Bürgerkrieg. Die Einheitsregierung in Tripolis ist schwach und hat weite Teile des Landes nicht unter Kontrolle. Chalifa Haftar und seine selbsternannte Libysche Nationalarmee kontrollieren den Osten des Landes. Seit dem Beginn von Haftars Offensive auf Tripolis vor acht Monaten wurden nach UN-Angaben mehr als 280 Zivilisten getötet und mehr als 140.000 Menschen vertrieben.