In Zentralafrika bekämpfen sich christliche und muslimische Milizen, Tausende Menschen wurden getötet. 650.000 der 4,6 Millionen Einwohner wurden innerhalb des Landes vertrieben, 280.000 flüchteten ins Ausland.

Das Büro von Rüdiger Erler, Nothilfekoordinator der Welthungerhilfe in der zentralafrikanischen Hauptstadt Bangui, ist durch eine Mauer mit Stacheldraht geschützt, ab 19 Uhr gibt es eine strikte Sperrstunde und für die eigene Sicherheit hat er sich einen Trick ausgedacht: Erler achtet darauf, ob noch Taxis auf seiner Strecke verkehren. Wenn keine Taxis mehr fahren, kehrt er um und fährt so schnell wie möglich zurück.

"Das Wichtigste im Moment ist das Herstellen einer inneren Sicherheit."
Rüdiger Erler, Nothilfekoordinator der Welthungerhilfe

Trotzdem: Um die eigene Sicherheit macht sich Erler wenig Sorgen. Denn den Menschen im Land geht es sehr viel schlechter. "Die muslimische Minderheit hatte das Land wirtschaftlich am Leben gehalten. Die ist nun geflohen oder hat sich versteckt", erklärt Erler. Vor allem Lebensmittel seien knapp geworden, staatliche Angestellte hätten ein Jahr lang kein Gehalt mehr bekommen. "Es gibt eine reale Not in der Bevölkerung, sich zu versorgen", sagt Erler und die Zahl von Banden, die sich einfach nehmen, was sie brauchen, nehme zu.

Eines der ärmsten Länder der Welt

Die Zentralafrikanische Republik ist einer der ärmsten Staaten der Welt und der Konflikt zwischen christlichen und muslimischen Milizen hat die Lage noch weiter verschärft. Denn seit dem Putsch muslimischer Rebellen vor einem Jahr gibt es keine staatlichen Sicherheitsstrukturen mehr, erklärt Rüdiger Erler. Und auch die internationalen Soldaten aus anderen afrikanischen Staaten und aus Frankreich könnten nur punktuell eingreifen.

UN befürchtet ein Massaker an Muslimen

In den vergangenen Monaten wurden Tausende Menschen getötet. 650.000 der 4,6 Millionen Einwohner wurden innerhalb des Landes vertrieben. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR hat Anfang der Woche gewarnt, dass rund 19.000 Muslime in Zentralafrika gefährdet sind, ermordet zu werden.