Die Feile im Kuchen, das verknotete Bettlaken...Schnarch! Wirklich filmreif aus dem Knast entkommen längst die echten Gangster. Allen voran Drogenboss "El Chapo". Wir haben mit Krimi-Buchhändler Christian Koch gesprochen, ob er sich mit literarischen Vorgängern messen kann.

Christian Koch hat eine Krimibuchhandlung in Berlin und kennt so ziemlich alles, was sich Schriftsteller in Sachen Knastausbrüchen ausgedacht haben. Von der neuen Flucht des mexikanischen Drogenbosses Joaquín "El Chapo" Guzmán ist er aber immer noch geplättet. Dessen Helfer sind schlicht unter dem Motto "Klotzen statt Kleckern" vorgegangen: Ein beleuchteter, klimatisierter Tunnel unter der Zellendusche führte den mächtigen Kartellchef in die Freiheit.

Wenn schon, dann bitte mit klimatisiertem Tunnel

Nach einer literarischen Vorlage für diesen Ausbruch suchte Christian Koch vergeblich, Ausbrecher-Tunnel gibt es zwar reichlich in der Krimiliteratur, aber nicht in diesem Ausmaß. Auch die Dusche als Zugangspunkt hatte sich noch kein Autor ausgeguckt. El Chapo nutzte hier aus, dass der Waschbereich im toteln Winkel der Kameras lag.

„Da braucht man keinen Roman mehr.“
Christian Koch, Krimi-Buchhändler

Wurden Tunnel in Stephen Kings Romanvorlage zu "Die Verurteilten" noch jahrelang sandhäufchenweise ausgehoben, buddeln und bohren im echten Leben andere in Rekordgeschwindkeit. So tat es kürzlich ein Duo in den USA, das das passende elektrische Werkzeug von einer Gefängnismitarbeiterin bekam. Auch die Abholung per Helikopter gab es schon. Andere versteckten sich in der Mülltonne und im Koffer oder nutzen den Gabelstapler als Leiter.

Dass "El Chapos"-Story mit dieser Flucht vorbei ist, glaubt Christian Koch aber nicht. Es gibt mindestens noch zwei Kapitel in dieser Geschichte: Der Tag, an dem er wieder eingefangen wird. Und das nächste Kapitel beginnt dann, wenn er seinen nächsten Fluchtversuch unternehmen wird.