Wir alle hinterlassen digitale Spuren - auch Straftäter. Das kann Ermittlern helfen, Verbrecher aufzuspüren. Selbst der Bewegungssensor im Smartphone kann der Polizei helfen.

Viele Kriminelle halten sich für besonders schlau, sagt der Oberstaatsanwalt Thomas Goger von der Zentralstelle Cybercrime in Bamberg. Sie versuchten nach einer Tat ihre Identität zu verschleiern, indem sie digitale Fußabdrücke wieder verwischen. Aber in vielen Fällen ist Tätern gar nicht klar, wie viele Spuren sie hinterlassen. Thomas Goger weiß das, weil es sein Job ist, Verbrechen aufzudecken, indem er digitale Hinweise sichert.

"Wir stellen oftmals fest, dass sich jetzt in unserem Bereich Cybercrime, Computerdelikte, Internetdelikte die Täter für unheimlich schlau halten."
Oberstaatsanwalt Thomas Goger von der Zentralstelle Cybercrime in Bamberg

Beispiele von Verbrechern, die aufgeflogen sind, weil sie sich unvorsichtig im Netz bewegt haben:

  • Ein Mann aus Regensburg suchte im Internet nach dem perfekten Mord und der tödlichen Dosis eines Beruhigungsmittels. Später starb seine Verlobte unvermittelt. Durch die Suchanfrage im Netz konnten Ermittler einen Zusammenhang herstellen.
  • Ein anderer Mann recherchiert im Netz zu tödlichen Stichverletzungen. Eine Person, mit der sich dieser Mann dann per SMS verabredet hatte, wird kurze Zeit später Opfer eines Angriffs.
  • In einem anderen Fall hat eine Hamburgerin im Netz nach folgenden Stichworten gesucht: "Tote Rentnerin Wohnung Hamburg". Diese Suchanfrage hatte die Frau wenige Stunden nach der Tat gestellt. Ermittler rekonstruierten diese Suche im Netz und hatten damit zwar noch keinen Beweis, aber immerhin schon ein Indiz, das die Frau als Tatverdächtige identifizierte.
"Sie müssen sich das wie einzelne Puzzleteile vorstellen."
Wolfgang Prehl, Pressesprecher Polizei Mittelfranken

So können inzwischen auch Aussagen eines Tatverdächtigen mit dessen Smartphone-Daten abgeglichen werden, sagt der Spezialist für digitale Forensik Felix Freiling. Denn unsere Smartphones verfügen über Bewegungs- und Beschleunigungssensoren und sammeln in der Regel fortwährend Daten.

Behauptet ein Verdächtiger während der Tatzeit auf dem Bett gelegen zu haben, können die digitalen Daten auf dem Smartphone diese Aussage entweder bestätigen oder Zweifel an einem vermeintlichen Alibi schüren.

Kameraballistik und verräterische Computerdaten

Ursprünglich diente die Ballistik dazu, festzustellen aus welcher Schusswaffe Patronen abgefeuert wurden. Das half bestenfalls dabei, den Täter zu bestimmen. Inzwischen gibt es eine digitale Variante der Ballistik: die Kameraballistik. Mithilfe eines charakteristisches Musters lässt sich anhand der Pixel annähernd bestimmen, mit welcher Kamera ein Bild "geschossen" wurde.

Wenn jemand beispielsweise versucht, belastende Daten auf einem USB-Stick oder einer externen Festplatte vor Ermittlern zu verstecken, kann es sein, dass der eigene Rechner den- oder diejenige verrät. Denn der Computer dokumentiert genau, wann welches externe Speichergerät angeschlossen wurde. Wer also behauptet, keine externen Speichergeräte zu besitzen, kann so möglicherweise überführt werden.

Zwischen 50 und 67 Prozent der Verbrechen werden aufgeklärt

Obwohl es inzwischen viele Möglichkeiten gibt, Täter mit digitalen Mitteln zu überführen, bleiben viele Verbrechen ungestraft. Die Aufklärungsquote liegt je nach Bundesland zwischen 50 und knapp 67 Prozent.