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Seit der Verhaftung des ehemaligen Premiers Imran Khan gibt es gewaltsame Proteste in Pakistan mit Verletzten und Toten. Khan wird Korruption vorgeworfen, seine Anhänger vermuten politisches Kalkül. Wenn sich das Militär einmischt, könnte die Lage vollends eskalieren.

Die Lage in Pakistan ist sehr unruhig, sagt Peter Hornung, ARD-Korrespondent für Pakistan: "Es gab Straßenschlachten in mehreren Städten. Checkpoints der Polizei wurden angezündet". Es soll mehrere Tote geben und rund 300 Verletzte.

Der pakistanische Regierungschef Shehbaz Sharif machte in einer Fernsehansprache am Mittwochabend (10. Mai) deutlich, dass er mit eiserner Hand gegen die Proteste vorgehen will. "Er hat den Demonstranten Terrorismus vorgeworfen", so Peter Hornung. Weitere Soldaten wurden stationiert, unter anderem in der Hauptstadt Islamabad. "Es sieht zurzeit eher nach einer weiteren Eskalation in Pakistan aus", so unser Korrespondent.

"Die pakistanische Regierung hat eine rote Linie überschritten mit der Festnahme von Imran Khan."
Peter Hornung, unser Korrespondent für Pakistan

Am 9. Mai war der frühere Premierminister Imran Khan verhaftet worden. In einer spektakulären Aktion: 50 Sonderpolizisten waren an der Festnahme beteiligt. Pakistans Regierung sagt, sie habe keinen Einfluss auf die Verhaftung; die sei in der Verantwortung der Anti-Korruptionsbehörde geschehen. Auch Parteikollegen Khans wurden verhaftet. Doch viele Pakistaner sind da skeptisch: Sie haben den Eindruck, dass Khan als politischer Konkurrent und Oppositionsführer ausgeschaltet werden soll, erklärt Peter Hornung.

Die Verhaftung Khans sorgt für Frust und Gewalt

Imran Khan ist vor allem bei der jüngeren Generation sehr beliebt. Er gilt als ein charismatischer Politiker. Khan war schon vor seiner politischen Karriere ein Star im Land, nämlich als erfolgreicher Kricketspieler. Der Sport wird in Pakistan mit großer Begeisterung gespielt. Khan war Kapitän der Nationalmannschaft und holte 1992 den Weltmeistertitel für Pakistan.

Nach dem Ende seiner Sportlerkarriere trat Khan in die Politik ein. Von 2018 bis 2022 war er Premierminister Pakistans. Politisch sei er ein Populist, so Peter Hornung. "Er weiß es, die Massen mit seinen Reden zu begeistern."

"Das sieht schon sehr danach aus, dass Imran Khan ausgeschaltet werden soll."
Peter Hornung, unser Korrespondent für Pakistan

Die Korruptionsvorwürfe gegen den Ex-Premier seien vermutlich nicht aus der Luft gegriffen, meint Peter Hornung. Vermutlich werde man etwas finden. Aber auch die aktuelle Regierung sei wahrscheinlich nicht lupenrein.

Wie verhält sich das Militär?

Wie die Situation sich weiter entwickelt, hängt maßgeblich auch davon ab, wie sich das Militär verhält. Das ist in Pakistan eine eigene Macht. Zuletzt gab es auch Angriffe auf Militäreinrichtungen. "Das ist neu", sagt Peter Hornung. Und er befürchtet, dass die Situation weiter eskalieren könnte, sogar in Richtung Bürgerkrieg.

Shownotes
Nach der Festnahme von Khan
Die Zeichen stehen auf Eskalation in Pakistan
vom 11. Mai 2023
Moderatorin: 
Diane Hielscher
Gesprächspartner: 
Peter Hornung, ARD-Korrespondent für Pakistan