Mit dem 9-Euro-Ticket unendlich viel Bahn fahren - das ist eine schöne Idee. Allerdings gibt es jetzt schon viele Probleme, wenn wir mit dem Zug irgendwohin reisen. Warum die Bahn ihre Probleme nicht in den Griff bekommt, hat leider viele Ursachen.

Die Deutsche Bahn hat eine Reihe struktureller Probleme. Das fängt mit den Verspätungen an und hört mit Dauerüberfüllung zu Stoßzeiten und am Wochenende nicht auf. Allein im Fernverkehr war 2021 jeder vierte Zug zu spät, hat der Bundesrechnungshof bemängelt. Im Regionalverkehr stockt es auch, das erleben viele Reisende regelmäßig.

Überfüllung, Weichenstörungen, überbelegte Gleise, Zugausfälle: Die Probleme der Deutschen Bahn sind vielfältig. Ganz wesentlich sei das ein Infrastrukturproblem, sagt Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn. Das Gesamtsystem Bahn sei nicht ausreichend instand gehalten worden.

"Die Infrastruktur ist zu alt und es gibt zu wenig davon. Man ist 40 Jahre lang auf Verschleiß gefahren, hat zu wenig investiert."

Die Bahn plant allein für 2022 neun Großbaustellen – zum Beispiel die Modernisierung des Frankfurter Hauptbahnhofs. Dazu kommen unzählige weitere kleinere Bauprojekte – alles potenzielle Schwachstellen, die zu weiteren Verspätungen führen werden.

"Es gibt viele zeitgemäße Züge. Die Bahn bestellt auch. Für ein wachsendes Verkehrsaufkommen braucht man deutlich mehr Züge. Das dauert drei bis vier Jahre, bis die geliefert werden."

Zusätzlich sind viele Stellwerke ebenfalls veraltet. Die Bahn weiß um diese Probleme. Bahnchef Richard Lutz steht vor der Aufgabe, gleichzeitig wachsen und modernisieren zu müssen.

Bahn mangelt es an Geld

Die Probleme der Deutschen Bahn seien nur zum Teil hausgemacht, sagt Dirk Flege vom Verkehrsbündnis Allianz pro Schiene. Die Verantwortung für den riesigen Investitionsstau trage der Bund. Er stelle der Bahn nach wie vor nicht genügend Geld zur Verfügung. Das gelte auch für die neue Ampelkoalition.

"Bislang hat sie es nicht einlösen können, dass sie mehr Geld in die Schieneninfrastruktur investiert als in die Straßeninfrastruktur. Wir haben nach wie vor eine Schieflage zugunsten der Straße und daran krankt es."

13,6 Milliarden Euro bekommt die Bahn in diesem Jahr von Bund und Ländern für die Schieneninfrastruktur – 900 Millionen mehr als im Vorjahr. Bis zum Jahr 2030 sollen insgesamt 86 Milliarden Euro investiert werden. Das sei ein deutlicher Fortschritt, sagt Michael Theurer, der Schienenbeauftragte der Bundesregierung. Die Ampelkoalition werde sich dafür einsetzen, die Mittel weiter aufzustocken. Außerdem sollen mehr Umleitungsstrecken gebaut werden, damit Züge besser ausweichen können.

Zusätzliches Personal

Bahnchef Richard Lutz will außerdem die Baustellen künftig anders organisieren. Ab dem Jahr 2024 sollen Bauarbeiten auf den wichtigsten Bahnstrecken gebündelt angegangen werden.

Um den erwarteten Ansturm durch das 9-Euro-Ticket zu stemmen, setzt die Bahn nun 50 zusätzliche Nahverkehrszüge ein. 700 Extra-Service-Kräfte sollen Passagieren beim Ein- und Aussteigen helfen. Die grundsätzlichen Probleme der Deutschen Bahn zu lösen, brauche aber Zeit. Dirk Flege von der Allianz pro Schiene hofft auf mehr Mittel für die Bahn im Bundeshaushalt 2023.

"Der jetzige Etat 2022, der spiegelt die Koalitionsvereinbarung so nicht wieder."

Am Etat für die Bahn im Bundeshaushalt habe sich tatsächlich kaum etwas geändert, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Nico Rau. Er hat sich die Schwachstellen der Deutschen Bahn im Detail angesehen und mit der Leistungsfähigkeit anderer Bahngesellschaften verglichen.

Nico Rau, Deutschlandfunk-Nova-Reporter (01.06.2022; 13:49) Das ganze Gespräch hier im Audio.
"Im Koalitionsvertrag steht: Die Schiene soll vor der Straße Vorrang bekommen. Aber im Bundeshaushalt 2022 ist der Verkehrsetat nahezu unverändert, wie bei Vorgängerregierung."