Mit dem Ziel den Hunger in bestimmten Regionen Afrikas und die Armut von Kleinbauern zu bekämpfen, ist die Organisation "Alliance for a Green Revolution in Africa" 2006 gestartet. Kritiker sagen, die Organisation habe das Gegenteil bewirkt.

Afrikanische Lebensmittelproduzenten haben wiederholt Kritik an der Organisation "Alliance for a Green Revolution in Africa", kurz Agra, geäußert. In all den afrikanischen Ländern, in denen Agra sich um die Landwirtschaft kümmere, sei der Hunger in der Bevölkerung nicht weniger geworden, sondern hätte sich im Gegenteil verschärft.

Gerade treffen sich in Ruanda unter anderem internationalen Organisatoren und Geldgeber des Agra-Projektes.

"Schon vor zwei Jahren haben sich mehrere deutsche Nichtregierungsorganisationen gemeinsam mit fünf afrikanischen Organisationen mal die Zahlen von Agra angeschaut und kamen zu einem vernichtenden Urteil."
Meike Rosenplänter, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Diese Kritik wurde im Vorfeld zu einem Treffen der internationalen Organisatoren und Geldgebern von Agra in Ruanda ausgesprochen.

Das Projekt wurde 2006 von der Bill- und Melinda-Gates- und der Rockefeller-Stiftung ins Leben gerufen und befindet sich inzwischen unter afrikanischer Verwaltung. Zu den Geldgebern gehören neben den beiden Stiftungen auch Großbritannien, Deutschland und einige weitere Länder.

Zu viel chemischer Dünger

Die Kritik, die die afrikanischen Lebensmittelproduzenten geäußert haben, bezieht sich auf unterschiedliche Punkte. Einer davon ist, der Einsatz von chemischen Düngemitteln, die auf fossilen Brennstoffen basiert sind, zudem importiert werden und in der EU aufgrund von möglicher Umwelt- und Gesundheitsschäden gar nicht erlaubt sind.

Ein weiterer Kritikpunkt sind die Monokulturen auf die Agra setzt, denn diese gelten nicht als besonders nachhaltig. Vielmehr führen sie oft dazu, dass noch mehr Düngemittel eingesetzt werden muss, weil die Fruchtbarkeit des Boden langfristig darunter leidet.

Die Kritiker berufen sich unter anderem auf eine Studie, die zeigt, dass die sogenannte Ernährungs-Unsicherheit in den 13 Schwerpunkt-Ländern, in denen sich Agra engagiert, seit Gründung der Organisation zugenommen hat.

Forderung: Afrikanische Kleinbauern direkt finanzieren

Die afrikanischen Lebensmittelproduzenten, die Kritik an Agra geäußert haben, schlagen vor, das Geld das die Organisation erhält, direkt an afrikanische Kleinbauern auszuzahlen. Davon erhoffen sie sich, dass "afrozentristische" Lösungen für bestehende Versorgungsprobleme gefunden werden können. Das bedeutet zum Beispiel, dass Pflanzen wie Hirse angebaut werden, die robuster sind als Mais.

Auch für den Einsatz von Düngemitteln erhoffen sich die Kritiker nachhaltigere Lösungen, wenn die Verantwortung an die Kleinbauern übertragen wird. Zum einen, dass die genutzten Düngemittel umweltverträglicher sind und bestenfalls auch von den Bauern selbst hergestellt werden können und nicht mehr importiert werden müssen.

Bundesministerium kündigt Prüfung der Zusammenarbeit nach Kritik an

Im vergangenen Jahr wurde die Agra-Allianz noch vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert. Bereits im Februar hat die Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze angekündigt, die Zusammenarbeit prüfen zu wollen.