Ein besserer Vergleich fällt dem Mathematik- und Informatikprofessor Vincent Heuveline nicht ein, wenn er erklärt, wie Algorithmen funktionieren. Für ihn sind sie wie Kochrezepte: Zutaten, Reihenfolge und das gewünschte Ziel schließlich auf dem Teller: ein leckeres "Boeuf Bourguignon".

"Man nehme..." – wie Kochrezepte sind auch unsere Smartphones programmiert, die Suchmaschinen im Netz oder ein selbstfahrendes Auto. Damit beispielsweise ein Navi funktioniert und uns verbindlich ans Ziel steuert, sind viele, zu bestimmten Zeiten ablaufende Einzelschritte erforderlich.

Vincent Heuveline spricht dabei von schwacher Künstlicher Intelligenz (KI). Starke KI hingegen – wie sie Arnold Schwarzenegger im "Terminator" verkörpert – sei weit und breit nicht in Sicht.

Desillusionierend für diejenigen, die darauf hoffen, dass eine humanoide Maschine erschaffen werden könnte, die uns in allen Bereichen ebenbürtig ist.

"Menschen sind in der Lage zu reagieren, wenn Situationen nicht vorhersehbar sind. Künstliche Intelligenz muss also mit Unsicherheit umgehen können. Bei KI sind wir sehr weit davon entfernt."
Vincent Heuveline, Mathematiker

Hochleistungsrechner könnten in der Simulation heutzutage locker ein Auto durch die Wand und danach unbeschädigt weiterfahren lassen. Eine gewünschte Vorstellung zwar für Gamer oder in Science-Fiction-Filmen, in der Realität ist das jedoch nicht anwendbar.

Wirklichkeit digital und exakt definieren

Man müsste laut Vincent Heuveline die Wirklichkeit erst digital und absolut genau definieren. So wie es das menschliche Gehirn mit seinen neuronalen Netzwerken vermag. In der Computertechnologie versuche man, sagt der Informatiker, dies immer besser nachzubauen – doch bisher nur mit außerordentlich beschränktem Erfolg.

Der Vortrag:

Vincent Heuveline ist Mathematiker und Informatiker an der Universität Heidelberg. Seinen Vortrag hielt er in der Reihe "Dialog im Museum" für die Daimler und Benz Stiftung. Und zwar am 3. Dezember 2019. Der Titel: "Algorithmen und Künstliche Intelligenz: Wahrer Fortschritt oder doch nur digitale Alchemie?"