Du bist am Boden zerstört und weißt keinen Ausweg mehr. Dann hörst du plötzlich die rettenden Worte: "Ich weiß, dass das hart ist, aber du machst das großartig." Und es kein Freund, sondern eine App auf deinem Smartphone, die dich tröstet.

Jedem geht es mal schlecht. Unsere Freunde sind nicht rund um die Uhr verfügbar. Manchmal haben wir auch einfach keinen Bock, jemanden mit unseren Gefühlen zu belasten oder uns eine Blöße zu geben. In solchen Momenten wäre es perfekt, wenn unser Smartphone oder unser Computer uns gut zusprechen, uns aufmuntern oder motivieren könnte. Judith Masthoff und ihr Team forschen auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz und entwickeln einen Algorithmus, mit dem technische Geräte in die Lage versetzt werden sollen, uns zu trösten, wenn wir das brauchen.

"Es gibt immer mehr Menschen, die an psychischen Erkrankungen leiden, der Stress steigt, und nicht jeder geht deswegen gleich zum Psychiater. Da wäre es doch gut, man hätte so eine Art Unterstützungssystem für den Alltag, das einem zumindest durch kurze Stressphasen hilft."
Tina Kießling, Wissensnachrichten

Gar nicht so einfach: Woher weiß eine Maschine, wann wir Trost brauchen. Und wie schafft sie es, den richtigen Ton anzuschlagen. Denn in manchen Situationen brauchen wir Mitgefühl, in anderen brauchen wir einen freundlich-motivierenden Schubser oder gar Tritt.

Dafür haben die Wissenschaftler Studenten befragt, die sollten dann zuordnen, welcher Stressfaktor welcher Situation im Alltag entspricht: Also stehst du zum Beispiel unter Zeitdruck, gibt es emotionalen Druck oder hohe mentale Anforderungen, bei denen dein Kopf raucht. Und dann im zweiten Schritt: Welche Art Unterstützung würdest du dann gern haben oder selbst jemandem in so einer Situation geben? Und dann wurde das in Experimenten immer weiter ausprobiert, bis die Antworten des Algorithmus der Situation entsprechend stimmten.

Ein Satz mit zwei emotionalen Statements reicht oft

Das Ergebnis der Studie: In vielen Stresssituationen ist es wichtig, dass erst Mitgefühl geäußert wird und wir dann ermuntert werden, das aktuelle Problem zu überwinden. Eine App würde, wenn wir unter Zeitdruck stehen, Folgendes sagen: "Ich weiß, dass das hart ist, aber du machst das großartig."

In einer zunehmend vernetzen Welt, könnte das Smartphone anhand des Terminkalenders, dem Mail-Aufkommen, dem Schlaf-Wach-Rhythmus erkennen, dass wir uns in einer stressigen Situation befinden und dann entsprechend reagieren, das prognostiziert zumindest die Wissenschaftlerin Judith Masthoff.