Damit unsere Smartphones noch schlauer werden, bekommen sie ein bisschen Künstliche Intelligenz verpasst. Was das bedeutet, weiß unser Reporter Thomas Reintjes.

Immer mehr Smartphones werden mit Spezialchips für Künstliche Intelligenz ausgestattet. Das heißt mit Chips, die auf Machine Learning spezialisiert sind. Sie können also aus den Daten lernen, mit denen wir sie füttern. Künstliche Intelligenz ist in der Lage, Muster und Regelmäßigkeiten zu erkennen, das nennt man auch Deep Learning. Ein einfaches Beispiel dafür: Du fütterst dein Smartphone mit Spam-Mails. Aufgrund dieser Daten gelingt es dann dem System selbst herauszufinden, welche der empfangenen Nachrichten Spam-Mails sind und welche nicht.

"Der Streamingdienst spielt die perfekte Playlist für den Moment, weil das Smartphone durch meine Mimik erkennt, wie ich gerade drauf bin. Oder vielleicht, weil es gemerkt hat, dass ich sonntags morgens andere Musik mag als montags morgens."
Thomas Reintjes, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Vom nützlichen Gebrauchsgegenstand zum persönlichen Assistenten

Bisher können die Chips nur relativ langweilige Sachen, findet Deutschlandfunk-Nova-Reporter Thomas Reintjes. Dazu zählen die Spracherkennung, die Gesichtserkennung und die Bilderkennung. Per Gesichtserkennung können wir das Handy entsperren, per Bildererkennung die Fotos nach Kategorien sortieren - zum Beispiel alle Bilder, auf denen ein Baum zu sehen ist in ein Album packen. 

Es kennt uns besser als wir uns selbst

In Zukunft soll es noch spannender werden, sagt unser Reporter Thomas. Zum Beispiel durch die Emotionserkennung: Das Smartphone erkennt dann an meiner Mimik meinen Gemütszustand. Oder es erkennt aufgrund von Gewohnheiten meine Vorlieben. Thomas Reintjes nennt als Beispiel, dass sein Smartphone erkennen kann, dass er kleine, unabhängige Coffee Shops den großen Ketten vorzieht. Oder ein besonders wünschenswertes Feature: Das Mobiltelefon geht in den Sparmodus, weil es aufgrund gesammelter Daten errechnet, dass nicht zu erwarten ist, dass wir es in den nächsten fünf Minuten in die Hand nehmen werden.

Man kann diese Visionen immer weiter spinnen: Mein Mobiltelefon spielt mir meine Lieblingsmusik vor, wenn es mir schlecht geht, warnt mich, kurz bevor mein Konto das Limit erreicht und schlägt mir Lieferdienste oder Gerichte vor, wenn ich hungrig bin. Praktisch, aber auch ein wenig gruselig, weil man sich überwacht und vom Smartphone durchschaut fühlen würde. Vor allem, wenn man bedenkt, dass bei einem Sicherheitsleck all diese Daten offen gelegt werden würden. 

Daten werden auf dem Smartphone analysiert

Wen diese Vorstellung beunruhigt, sollte wissen, dass solche Analysen bereits durchgeführt werden - allerdings in der Cloud und nicht auf dem Smartphone. Die Anwendung der KI-Chips hat zumindest den Vorteil, dass unsere sensiblen Daten nicht unser Telefon verlassen müssen, damit sie analysiert werden können. Damit hätten wir dann möglicherweise ein wenig mehr Kontrolle über unsere eigenen Daten.

Wir können aber auch mit Sicherheit davon ausgehen, dass es viele Interessenten für die Persönlichkeitsprofile gibt, die unsere Smartphones von uns erstellen.