Als James Vlahos Vater an Krebs stirbt, will er sich nicht nur durch Fotos wühlen, um sich zu erinnern. Er baut einen "Dadbot" - einen Chatbot, um sich weiterhin mit seinem Vater unterhalten zu können.

James Vlahos ist Journalist und Sohn. 2016 erfährt er, dass sein 80-jähriger Vater an Krebs erkrankt ist und vermutlich bald sterben wird. James nimmt sich Zeit, setzt sich immer wieder neben seinen Vater - und sie reden. Die Gespräche zeichnet er mit einem Aufnahmegerät auf.

Im Februar 2017 stirbt James Vater. Er lässt die Aufzeichnungen transkribieren und heraus kommen über 200 Seiten: die Geschichte seines toten Vaters.

Was tun mit der Erinnerung? James baut einen Dadbot

Aber was soll James mit den Aufzeichnungen machen? Nur aufheben oder irgendwie nutzen? James baut einen Dadbot - einen Chatbot, um mit seinem Vater auch weiterhin reden zu können. Der Chatbot kann die Geschichte seines Vaters interaktiv erzählen, der Bot funktioniert wie ein Sprachassistent. Das Magazin Wired hat James Geschichte erzählt.

Aber kann so Abschiednehmen funktionieren? Wenn man sich immerzu mit einer künstlichen Intelligenz unterhält? Der Psychologe Christian Lüdke ist da skeptisch.

"Wenn ich permanent versuche, solch einen künstlichen Kontakt aufrechtzuerhalten, zögere ich die eigentliche Trauer nur hinaus und komme viel eher in einen sehr komplizierten Trauerprozess."
Psychologe Christian Lüdke

Natürlich hören wir uns zum Beispiel Sprachnachrichten auf der Mailbox von Verstorbenen an. Das ist wie in alten Fotos oder Videos zu wühlen, sagt Lüdke. Wir wollen die vertraute Stimme noch mal hören. Ein Chatbot jedoch suggeriert eine Interaktion mit der verstorbenen Person - und das kann den Trauerprozess eher verzögern.

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