Zum ersten Mal gibt es in Deutschland ein immaterielles Kulturerbe, das digital ist: die "Demoszene". Damit ist die Computerkultur der audiovisuellen Kunstwerke so geschützt wie die deutsche Brotkultur.

Bei den sogenannten Demos treffen Musik, Video, Foto und Grafiken in Form von Pixeln oder Text aufeinander. Für die Animation der minutenlangen Videos sorgt Software, die Kunstschaffende programmieren.

Die Videos sind dabei oft auf eine bestimmte Speichergröße begrenzt oder die Kunstschaffenden generieren sie mit speziellen Computern wie dem Amiga oder dem Commodore 64, die aus den 1980er-Jahren stammen.

Ein Screenshot aus einem Demo.
Ein Screenshot aus einem Demo.

Heute trifft sich die Demoszene auf speziellen Partys oder Wettbewerben, wo die Computerkünstlerinnen und -künstler ihre Demos live erzeugen. Die Wurzeln der Demoszene liegen in den 80er-Jahren.

Damals haben Crackergruppen den Kopierschutz von Computerspielen aufgehoben und ihre Demos als audiovisuelle Signatur vor das Game geschaltete. Mit den Demos konnten sie zeigen, dass sie das Computerspiel gehackt hatten.

Computerkultur mit Tradition

In den letzten vierzig Jahren sind auch die Effekte in den audiovisuellen Animationen immer anspruchsvoller geworden, sagt Tobias Kopka. Er ist in der Demoszene aktiv und Teil des Vereins "Digitale Kultur". Was zu Beginn der Computerkultur eine musikuntermalte Signatur war, ist heute eine mehrdimensionale Animation.

"Seinen Namen vor das geknackte Spiel zu setzen, wurde im Laufe der Zeit immer aufwendiger: Als Nächstes kam das Logo, dann ein rotierendes Logo, dann ein rotierendes Logo mit Blitzen."
Tobias Kopka, Mitglied der Demoszene und Teil des Vereins Digitale Kultur

Parallel zu audiovisuellen Kunstwerken hat die Demoszene auch eigene Traditionen entwickelt. Zum Beispiel laufen Wettbewerbe oft gleich ab: In verschiedenen Kategorien zeigen die Kunstschaffenden ihre Demos, danach können alle Besucherinnen und Besucher demokratisch dafür abstimmen.

Die Demoszene ist ein weltweites Netzwerk, das dezentral organisiert und nicht-kommerziell ist.

Die Demoparty "Evoke" in Köln 2014.
© Tobias Kopka
Die Demoparty "Evoke" in Köln 2014.