Unsere Einrichtung ist möglichst minimalistisch, übertrieben shabby chic oder besonders nachhaltig. Der Kulturwissenschaftler Jochen Eisenbrand erklärt, warum wir anders wohnen als unsere Eltern und was das mit Instagram oder Pinterest zu tun hat.

Wofür wir früher Einrichtungsexpertinnen benötigten, genügt heute ein Mausklick. Ein Klick auf Social-Media-Plattformen wie Pinterest und Instagram oder Wohnungsplattformen wie Airbnb. Denn die würden seit rund zehn Jahren auch dazu führen, dass unsere Wohnungen immer mehr zu einem Einheitsbrei werden, erklärt der Kulturwissenschaftler Jochen Eisenbrand.

"Heute kann jeder zeigen, wie er wohnt. Aber die, die das zeigen, tun das auch sehr selektiv."
Jochen Eisenbrand über das Bild von Wohnungen im Internet

Mussten früher groß angelegte Fotoprojekte angeleiert werden und Innenarchitektinnen monatelang über der perfekten Einrichtung für jedermann brüten, so kann im Jahr 2020 jeder Mensch die Schokoladenseite seiner Wohnräume mit der ganzen Welt teilen.

Wie wir uns über unsere Wohnung ausdrücken

Wer das macht, wolle auch immer etwas sagen, so Jochen Eisenbrand. Denn eine Wohnung bestehe nicht nur aus Möbeln, sondern auch aus Deko, wie etwa Fotos oder Plakaten. "Jede Wohnung hat etwas autobiografisches", erklärt er. Mit unserer Einrichtung wollen wir auch immer etwas von uns selbst zum Ausdruck bringen.

Nicht nur die sozialen Medien beeinflussen, wie wir wohnen. Auch die Zeit, in der wir leben, macht das. So seien die Wohnräume wesentlich offener und die Glastüren um einiges größer geworden, als sie das noch bei unserer Elterngeneration waren.

"Wohnen ist was Konservatives. Es bietet Schutz vor den schnellen Veränderungen, die draußen passieren."
Jochen Eisenbrand über Wohnkonzepte

Das Trendmöbelstück Sekretär hätten wir uns zwar wieder vermehrt angeschafft, weil sich da die Arbeit so praktisch wegsperren lasse, so der Kulturwissenschaftler. Doch ansonsten habe die Coronapandemie unsere Einrichtung bislang nur minimal beeinflusst.

Fitnessstudio, Kindergarten, Schule oder Homeoffice: All diese neuen Funktionen muss unsere Wohnung seit einem halben Jahr zusätzlich erfüllen. Doch wer nicht in einer besonders privilegierten Position sei und ohnehin noch Räume übrig habe, der habe erst einmal schauen müssen, was da ist und sich damit arrangieren müssen, sagt Jochen Eisenbrand.

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