Es geht immer wieder um die Frage, ob wir die Angst beherrschen oder ob wir von ihr beherrscht werden. Und in der Kunst findet das seinen Ausdruck. Der Schrei von Edvard Munch ist dabei wohl das bekannteste und eindringlichste Bild, das die Angst thematisiert.

Ob beim Sprung vom Zehnmeterbrett, in der Geisterbahn oder beim Bungee-Jumping - es geht immer wieder darum, auszuloten, wo die Grenzen unserer Angst liegen. Es geht immer wieder um die Frage, ob wir die Angst beherrschen oder ob wir von ihr beherrscht werden.

Schon als Kinder spielen wir mit der Angst. Die Kunsthistorikerin Martina Padberg erzählt aus ihrer eigenen Kindheit, als sie sich nachts heimlich aus dem Bett schlich, wenn die Großmutter vor dem Fernseher saß.

"Selbst die Großmutter erschien mir wie eine bedrohliche dunkle Gestalt, die sich jederzeit als der Wolf entpuppen könnte, den ich aus dem Rotkäppchen kannte."
Dr. Martina Padberg, Kunsthistorikerin

Die Angst erzählt viel über eine Gesellschaft und die Kunst hat sich schon immer mit der Angst auseinandergesetzt. "Der Schrei" von Edvard Munch ist wohl das eindrücklichste und bekannteste Werk, das sich mit der Angst beschäftigt. Nicht weil es eine Geschichte über die Angst erzählt, sondern weil es durch Farben und Pinselführung das Gefühl der Angst in einem Bild festhält.

Schmerz, Tod, Sucht - die Angst in der Kunst hat viele Facetten

Aber auch in vielen anderen Werken findet man die Beschäftigung mit der Angst. Sei es bei James Ensor, Marina Abramovic oder Johann Heinrich Füssli. Die Auseinandersetzung mit Schmerz, Tod, Sucht Begierde - und den damit verknüpften Facetten der Angst finden bei den meisten Künstlern irgendwann Ausdruck.

"Es gibt kein stärkeres und ambivalenteres Gefühl. Wir wollen vor ihr flüchten und suchen dennoch immer wieder die Begegnung mit ihr."
Dr. Martina Padberg, Kunsthistorikerin

Martina Padberg ist Kunsthistorikerin, Kuratorin und Autorin. Außerdem arbeitet sie als Lehrbeauftragte an der Universität Bonn. Ihre Schwerpunkte sind moderne und zeitgenössische Kunst. Ihren Vortrag "Schau (nicht) hin – Angst in der Kunst“ hat sie im Rahmen der Fachtagung "Wirf Deine Angst in die Luft" an der Alanus-Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn gehalten.